Cymaphore

Now and then

Our world is made of glass

27.01.2010, 11:59

Die neuen alten Investoren

Erheiternd fand ich in den letzten Tagen den Vorschlag der FDP, Taliban mittels finanzieller Unterstützung zum Abwenden vom Terror zu bewegen. Das währe dann ein klassischer Fall von erprobtem Scheitern. Für die Taliban würde es keine große Umstellung bedeuten, schließlich haben sie schon während dem Afghanistan-Krieg der Sowjets großzügige finanzielle Unterstützung durch die NATO erhalten. Die Taliban sind äußerst versiert darin, die massive Korruption des Landes für die Finanzierung ihrer Interessen zu nutzen. Gelder, die für den Aufbau des Landes bestimmt sind, laden sehr oft über Umwegen in den Taschen der Taliban.

Nun hofft die FDP, diese Korruption nutzen zu können, um sich die Aufständischen quasi zu erkaufen. Da stelle ich mir die berechtigte Frage, wie loyal dann so jemand sein wird, besonders im Anbetracht seines Umfeldes.

Am Ende wird es wohl nicht anders laufen als jetzt auch schon: "Wir" bezahlen den Taliban die Munition, mit der sie auf "uns" schießen. Ein logischer Schritt, nachdem "wir" ihnen die Waffen verkauft haben, mit denen sie "uns" bekämpfen.

Vor 30 Jahren haben wir gelacht, als die Sowjets in die Löwengrube hinabgestiegen sind, nur um ihnen dann freudig hinterher zu springen. Jetzt suchen Politiker fieberhaft nach Möglichkeiten, die unausweichliche Niederlage in dieser Katastrophe als Erfolg zu verkaufen...

Angriffskriege wurden nicht umsonst verboten. Aber wie immer - was recht ist, bestimmen die Starken.

25.01.2010, 15:34

EMMA: Abgedruckt

Hier ein aktuelles Bild von meinem Schreibtisch, auf diesem befindet sich...

EMMA Winter 2010, Nr. 294 auf meinem Schreibtisch

...die aktuelle EMMA, Ausgabe Nr. 1 (294), Winter 2010. Auf Seite 59 sind unter dem Titel "Die PiratInnen antworten!" einige Auszüge aus dem EMMA-Forum abgedruckt, darunter unter anderem folgender:

EMMA Winter 2010, Nr 294, Ausriss S. 59

Mein Tippfehler - "SU" als Abkürzung für Schweden - inklusive :-)

Obwohl ich die Meinung von EMMA über die Piratenpartei nach wie vor als unbegründet ablehne, hätte ich nicht gedacht, dass sie unsere Kritik - zumindest in Auszügen - tatsächlich abdrucken. Ich bin gespannt wie sich EMMAs Einstellung gegenüber den Piraten entwickeln wird, besonders nachdem von der Leyen jetzt Arbeitsministerin ist, sich also erstmal bequem von ihrem Scherbenhaufen Zugangserschwerungsgesetz distanzieren kann...

So nebenbei, interessant an dieser Ausgabe (besonders für fefe-Leser) ist auch der Artikel über Wikipedia (Seiten 56 - 58), der unter anderem bekannte Wikipedia-Probleme aus einer recht eigenwilligen Perspektive deutet.

Update: Der Vollständigkeit halber, der Stein ist ins Rollen geraten, als EMMA den Piraten den Pascha des Monats verliehen hat. Hier der original-Thread im EMMA-Forum.

07.01.2010, 14:36

Bedrohte Spezies

Die UNO hat das Jahr 2010 mit gutem Grund zum internationalen Jahr der Biodiversität erklärt. Schätzungen zufolge sind über 25% aller Tier- und Pflanzenarten weltweit vom Aussterben bedroht, Tendenz steigend. Die Auswirkungen des unverantwortlichen Umgangs mit unserem Habitat gleichen allmählich einem Massenaussterben.

Für den durchschnittlichen Bewohner der westlichen Welt ist das Ausmaß der Katastrophe im Alltag kaum sichtbar, man kann es leicht verdrängen. So sehr wir es aber auch ignorieren wollen, der Raubbau an den Meeren und Urwäldern, unserer ureigenen Lebensgrundlage, wird voraussichtlich ungebremst voranschreiten.

Hoffen wir, dass das Aktionsjahr möglichst vielen Menschen die Augen öffnet und dieser lebensbedrohlichen Tendenz zumindest ein wenig entgegenwirken kann. Wir haben nur ein Habitat, wir sollten es nicht aufgrund kurzsichtiger Profitgier verspielen. Sollte es langfristig keine Umkehr geben, wird das wohl das Ende der Spezies bedeuten - Mensch.

02.12.2009, 20:45

Kirchturmverbot in der Schweiz

Bekanntlich hat sich vergangenes Wochenende das schweizerische Volk mehrheitlich für ein Verbot von Kirchtürmen ausgesprochen. Die Kirchtürme sollen allerdings nur verboten werden, wenn die Menschen in der dazugehörigen Kirche ihren Glauben an Gott auf eine bestimmte Art ausdrücken.

Das wirft in meinen Augen interessante Fragen auf.

Was zum Beispiel ist, wenn eine Kirche geplant werden würde, die dann den Gläubigen mehrerer Religionsgemeinschaften für Gebete zur Verfügung stehen soll? Also nicht nur solchen, die einen Kirchturm bauen dürfen, sondern sogar jenen, welchen das verboten ist? Darf dieses Gebäude dann über einen Turm verfügen, und wie darf dieser dann aussehen?

Oder gefällt den Menschen die Architektur von Kirchen auf dem Balkan und Kleinasien nicht? Das ist mir zwar ein wenig unverständlich, währe aber eine mögliche Erklärung. Wobei es ja schon Touristen in der Türkei gegeben haben soll, die vor einem christlichen Gotteshaus stehend fest der Meinung waren, es würde sich um ein islamisches handeln. Schließlich stünde ja auch am Aushang vor dem Gebäude irgendwas mit Allah, welcher ja bekanntlich der Gott des Islam sei.

Aber gut, Irrtümer gibt es immer. Viele Gläubige des Westens sind eben trotz monotheistischen Weltbilds der Meinung, sie würden nicht zu Allah, sondern zu Gott beten. Stellen wir uns zwei solcher Menschen vor. Einer kennt mich nur unter meinem Vornamen, der andere nur unter meinem Nickname. Beide unterhalten sich über mich, sind aber der Meinung es handelt sich bei mir um zwei völlig verschiedene Personen. Das ich daneben stehe und schriftlich widerspreche ist dann beiden sicherlich egal. Aber genug der Megalomanie.

Im Endeffekt ist es vermutlich das gleiche alte Problem: Die Menschen glauben in ihrer Paranoia lieber den einfachen Antworten. Die Fremdartigen sind schuld. Die schauen schon danach aus. Denen kann man nicht trauen. Die kennt man nicht.

Die Muslime der Schweiz können eigentlich froh sein. Man hätte sie z.B. per Volksentscheid genausogut dazu verpflichten können, Halbmond-Aufnäher zu tragen. Was es dann nochmal einfacher machen würde, zu erkennen, dass wir guten besser glauben als diese Fremdgläubigen.

Welch ein Glück, dass ich schon lange glaube, ungläubig zu sein. Damit erspare ich mir die Mühe, darüber nachzudenken, wer von meinen Mitmenschen nun böse sein könnte, weil er seinen Glauben auf eine mir fremde Art ausdrückt.

Update: Aaron König hat es sich in seinem Blog ja sehr einfach gemacht und wertet die Entscheidung der Schweizer als Erfolg für Demokratie und Aufklärung. Fefe hat das passend kommentiert und darauf verwiesen, dass es wegen genau diesem System aber auch erst seit 1970 (vereinzelt sogar erst ab 1990!) das Frauenwahlrecht in der Schweiz gibt. Er betont dabei besonders die Macht von Demagogie und Furcht auf derartige basisdemokratische Entscheidungen.

[ 1 Comment | Link ]

Die Piraten aller Geschlechter können sich geehrt fühlen (besonders die weiblichen): Sie sind Pascha des Monats bei EMMA.

EMMA vergibt diesen Negativpreis jeden Monat an eine Person oder Organisation, die in der jüngsten Geschichte durch frauenfeindliches Verhalten besonders aufgefallen ist.

Ich fasse hier kurz die Begründungen zusammen, wie sie bei der Verleihung genannt werden:

- Die Partei bestünde zu 97% aus Männern (ohne Quellangabe)

- Die Partei sei ein Männerbund (ohne Quellangabe)

- Die Partei hätte einen hohen Stimmenanteil unter jüngeren Männern

Meines erachtens nach ist der logische Schluss hinter dieser Begründung: Alle Männer sind automatisch frauenfeindliche Sexisten.

EMMA schafft es mit dieser dieser Auszeichnung noch dazu in einem Athemzug alle weiblichen Mitglieder und Unterstützer der Piraten klein zu reden - in der Auszeichnung gibt es dazu nicht einmal eine Fußnote.

Ich kann etwa über mich selbst sagen: Von den Piraten, denen ich in Twitter folge, ist die Mehrzahl weiblich. Aber vielleicht gilt EMMA's Statistik da auch einfach nicht für mich.

Was ist eigentlich EMMA's Problem mit den Piraten? Dass wir uns nicht nach Männlein und Weiblein auf fädeln lassen wollen? Dass unsere Nicks in IRC und anderswo oft keinen Rückschluss auf das Geschlecht zulassen, und wir uns trotzdem nicht erstmal pauschal diskriminieren, "weil man könnte ja weiblich sein"?

Weil wir einen Lebensstil pflegen, einen Umgang miteinander, der EMMA so völlig Fremd ist?

...oder weil wir der guten Freundin von Alice Schwarzer, der Kanzlerin, nicht blind zugejubelt haben? Oder zu viel? Gilt da das Motto "meine Feinde sind deine Feinde" und die EMMA leistet der CDU Schützenhilfe? Nicht ganz abwegig...

Ich freue mich jedenfalls, dass wir unseren Begriff der "alten Männer mit Kugelschreiber" jetzt endlich geschlechterneutral auch auf "alte Frauen mit Kugelschreibern" erweitern können :-)

Was denken eigentlich weibliche Piraten zu ihrem Titel als Pascha? Gerechtfertigt?

Aber die gute Nachricht an alle: Sexismus scheint endgültig Geschichte zu sein! ... Wenn die Piratenpartei die frauenfeindlichste Organisation der vergangenen Monate ist, der beste Kandidat für den Pascha des Monats, dann kann man ernsthaft behaupten: Gleichberechtigung erreicht, Sexismus abgeschafft, EMMA überflüssig? ;-)

Mini-Update: Rechtschreibung repariert... :-)

Update:

Die Angelegenheit hat mittlerweile Wellen geschlagen. Der aktuelle Newsletter von klarmachen-zum-aendern.de berichtet über die übermännliche Männlichkeit der männlichen Männertechnik des Männernet.

Der letzte Satz des lesenswerten Newsletters bringt das Thema wohl ganz gut auf den Punkt: "Wir sind eure Töchter und eure Söhne. Verachtet uns nicht dafür, dass wir verstanden haben, was ihr sagen wolltet und bitte versteht, dass wir uns ebenso wenig eure Moral aufzwingen lassen wollen, wie ihr euch die der Generation vor euch."

Danke an Mela (Autorin des Piraten-Newsletters). Ja, wenn es nach EMMA geht haben wir wohl echt keine größeren Probleme als den bösen Männerpakt Piratenpartei...

Update: Noch ein äußerst lesenswerter Artikel: "Frauen in der Piratenpartei: Zu unserem Selbstverständnis"

Update: Marcel kommentiert es weniger höflich... :-)

Update: Ein Artikel auf Indymedia und die zugehörigen Kommentare geben ein paar Indizien warum die EMMA-Redaktion ihre Entscheidung gefällt haben könnte...

Update: Offener Brief an die EMMA (Freiheitsblog)

Update: dyfa über (un)weibliche Piraten und die Argumente einiger Feministinnen gegen die Piratenpartei (lesenswert :-) )

Update: Die schwedischen Piraten erhalten einen zweiten Sitz im EU-Parlament und vergeben diesen wie angekündigt an Amelia Andersdotter. Der Frauenanteil der Piraten im EU-Parlament ist somit exakt 50%. :-)

Update (1.12.): Ich bin überrascht. EMMA reagiert nach über einem Monat in einem offenen Brief doch noch auf die Kritik an der Verleihung. Interessant finde ich, dass der Text da scheinbar vor allem versucht, dem Vorwurf zu widersprechen, man sei von gestern.

In Summe aber werden vor allem die gleichen Kritikpunkte an den Piraten wiederholt, die EMMA und ihre Community schon unzählige Male zuvor gleichlautend geäußert hat. Ich erlaube mir, den vorletzten Absatz zu zitieren:

"Eure Forderung nach einem unbegrenzten Internet teilen wir EMMAs nicht, unabhängig vom Jahrgang. Wir meinen: Das Internet ist in der Tat kein rechtsfreier Raum und auch keine Spielwiese für Pornografen. Aber sicherlich meinen so manche unter euch das ja auch." (Anm.: Hervorhebung von mir)

Deja-Vu? Ähnlichkeiten mit den Wahlkampf-Texten der ehemaligen Familienministerin von der Leyen sind nicht ganz von der Hand zu weisen... :-)

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