Cymaphore

Now and then

Our world is made of glass

23.03.2012, 11:15 Auswertung der Antworten auf die #BuVo-Frage

Ich habe den Kandidaten, die sich Bislang für das Amt des Bundesvorstandes der Piratenpartei gemeldet haben, eine Frage gestellt:
Was hast Du vor im Bundesvorstand zu leisten, was Du in der Basis nicht machen kannst, unter besonderer Berücksichtigung des Umstandes, dass bei uns die Politik ausdrücklich nicht durch Vorstände gemacht wird und eine Vorstandsfunktion auch kein geeignetes Sprungbrett für evtl. Kandidaturen zu öffentlichen Ämtern sind?
In diesem Beitrag möchte ich zuerst grundsätzlich auf das Wesen des Bundesvorstandes der Piratenpartei eingehen. Im Anschluss bewerte ich die Antworten der Kandidaten auf diese Frage, inklusive einiger begründeter Empfehlungen. Im Fazit habe ich zusätzlich die Arroganz, den Kandidaten und allen Piraten die am Bundesparteitag teilnehmen wollen, Empfehlungen auszusprechen (dafür dürft ihr mich dann Shitstormen, wenn ihr drauf besteht).

Grundsätzliches

Abseits der gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben und Kompetenzen funktionieren die Vorstände innerhalb der Piratenpartei grundlegend anders als bei den etablierten Parteien. Der Vorstand ist im Wesentlichen zuständig für Organisation, Koordination, das Verteilen von Geld und die offizielle Vertretung der Partei. Programmarbeit ist keine Aufgabe des Vorstandes. Zwar kann (sollte) der Vorstand die inhaltliche Arbeit der Mitglieder organisatorisch unterstützen, Eingriffe in diese oder Parteinahme sind aber nicht zulässig.
Verstößt ein Vorstand gegen dieses Prinzip, muss er (zu recht) mit scharfem Gegenwind der Mitglieder rechnen. In Einzelfällen oder „Ausrutschern“ hagelt es Shitstorms. Im Extremfall, wenn ein Vorstand versucht seine Privatmeinung über seine Funktion zu propagieren, führt es zu einem Verlust der Anerkennung – und somit de-facto Absetzung – der entsprechenden Person durch die Mitglieder. Hatten wir alles schon.
Gewählt wird der Bundesvorstand für ein Jahr durch den Bundesparteitag (BPT). Dieser tritt üblicherweise zweimal pro Jahr zusammen. Seit dem ersten großen Wachstumsschub der Piratenpartei im Jahr 2009 nutzen wir jedoch den ersten Parteitag des Jahres nur noch nahezu ausschließlich zur Wahl des Vorstandes. Für den Beschluss von Programmanträgen bleibt meist keine Zeit. Dabei ist der Bundesvorstand Bundesparteitag (Anm. Cymaphore: Korregiert. Das passiert wenn man sich zu viel mit Leuten auseinander setzt, die falsche Vorstellungen vom Bundesvorstand haben... m-( ) derzeit das einzige Organ der Piratenpartei, dass über die bundesweite Programmatik der Partei beschließen kann!
Eine wesentliche Ursache dafür ist die hohe Zahl an Kandidaten. Jedes Mitglied der Piratenpartei ist aktiv und passiv wahlberechtigt. Leider reagieren viele auf diese große Freiheit nicht mit dem gleichen Maß an Verantwortung. Viele kandidieren, ohne dass ihnen das Wesen der Funktion bewusst zu sein scheint oder ohne dass sie überhaupt für das Amt geeignet wären. Da gibt es Kandidaten, denen weder die grundlegenden Arbeitsweisen noch die Programmatik der Partei bekannt sind.
Einige Mitglieder scheinen eine Kandidatur sogar ausschließlich als Mittel zur Selbstdarstellung zu betrachten. Manche kandidieren, um „ihr“ Thema in der Partei zu fördern. Diese Leute verschwenden damit die wertvolle Zeit des höchsten Organs der Partei und behindern damit aktiv unsere programmatische Arbeit. Das mag hart klingen, ist aber praktisch leider so.
Wenn man nach zwei Tagen Bundesparteitag zwar einen neuen Bundesvorstand hat, aber keinen einzigen neuen Programmpunkt, dann ist der Parteitag in meinen Augen im Prinzip gescheitert.

Zur Frage

Nachdem diese Probleme zu den Gründen zählen, warum einige nicht nur durch mich sehr geschätzte Piraten der Partei den Rücken gekehrt haben, habe ich mir die Frage gestellt, was ich dagegen tun kann. Und die Antwort darauf war eine Frage. Ich habe versucht sowohl das Wesen als auch das Selbstverständnis einer Vorstandsfunktion der Piratenpartei in einer Frage abzubilden. Die Frage ist bewusst so formuliert, dass nicht nur der Inhalt sondern auch die Art der Antwort einiges an Aussagekraft über einen Kandidaten enthält.
Der wichtigere Aspekt ist wohl, dass das Wesen der Frage zur Reflektion über die eigene Kandidatur anregt. Da ich es strikt ablehne, dass irgend jemandem eine Kandidatur untersagt wird, setze ich auf diese Art und Weise auf das Verantwortungsbewusstsein der Kandidaten und ihr Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Piratenpartei.
Die gesammelten Antworten findet ihr hier im Wiki, eine übersicht über die gefragten Kandidaten befindet sich hier.

Zurückgezogen

Marco Campe, Jörn Zimmer und Jürgen Hohlfeld haben unter anderem infolge der Frage ihre Kandidatur zurückgezogen und verdienen dafür unsere Anerkennung. Kandidieren kann jeder, der seinen Mitgliedsbeitrag bezahlt hat, aber eine Kandidatur zurück zu ziehen und sich noch mal Gedanken über alles zu machen ist m.E. ein Zeichen der Größe. David Forstner hat seine Kandidatur halb zurückgezogen und macht sie scheinbar mittlerweile von einer Umfrage in seinem Blog abhängig, die sich bislang zu über 90 % gegen eine Kandidatur ausspricht.

Zu spät

Nicht geeignet für das Amt des Bundesvorstandes sind meiner Meinung nach Mirco da Silva (Inkorrupt), Oliver (Corax) sowie Simon Stützer (Safecracker), weil sie es nicht geschafft haben, innerhalb von vier Tagen auf eine Frage zu ihrer Kandidatur zu antworten. Ich habe mehrere Male erinnert – via Mail und sozialen Netzwerken. Keine Antwort. Nicht einmal ein „keine Lust“. Ein Bundesvorstand muss in der Lage sein, es zumindest zu kommunizieren, wenn er keine Zeit für ein Mitglied hat. Man stelle sich vor diese Leute bekämen Presseanfragen – würde man die dann auch tagelang liegen lassen?
Marc Salgert (Teasertrailer) hat zwar ebenfalls die Frage noch nicht beantwortet, aber sich zumindest nach drei Tagen gemeldet und darauf hingewiesen, dass er wegen dem Wahlkampf in NRW keine Zeit dafür hätte.
Urteile ich da zu hart?
(Update: Simon Stützer hat keine meiner Mails erhalten, da sie bei ihm im Spam-Ordner gelandet sind. Da ich übersehen hatte dass er seinen Twitter-Account angegeben hat, und ich ihn dementsprechend nicht darüber erinnert habe, habe ich seine Antwort fairer Weise noch mit berücksichtigt und nachträglich eingeordnet.)

Nicht geeignet

Ich gehe hier auf Kandidaten ein, die meiner Meinung nach aufgrund ihrer Antwort nicht geeignet sind. Ich möchte auch begründen, warum dem so ist. Hierbei handelt es sich natürlich um meine persönliche Bewertung, es steht jedem frei da anderer Meinung zu sein.
Thomas Irmer
Mangelnde Kenntnisse über die Partei und ihre Arbeitsweise. Zitat: „Erstmal finde ich es großartig zu erfahren, dass Politik ausdrücklich NICHT vom BuVo gemacht wird oder werden soll“
Paul Weiler (TSM)
Mangelnde Kenntnisse über die Partei und ihre Arbeitsweise. Führt gute Gespräche mit „der Basis“ als Begründung für die Kandidatur an.
Horst Bartels (Benlisa)
Möchte sich stark programmatisch einbringen und hat sich selbst als kompromisslos beschrieben. Die Antwort deutet darauf hin, dass er das Amt dazu nutzen möchte, um in der Partei und mit der Partei für seine persönlichen Positionen zu kämpfen.
Heiko Schmidt (Heiko79)
Mangelnde Kenntnisse über die Partei und ihre Arbeitsweise. Probleme mit Rechtschreibung und Grammatik. Wirft mit wirren Zahlen ohne Belege um sich.
(Anmerkung: Er ist nach eigenen Angaben Legasteniker, daher streiche ich fairer Weise den Verweis auf die Rechtschreibung und Grammatik)
Thomas Bennühr (Thomas (OHV))
Die Einordnung von Thomas Bennühr ist mir persönlich schwer gefallen. Eine grundsätzliche Stellungnahme macht ihn aber anhand unserem aktuellen Selbstverständnis für ungeeignet für den Vorstand, wenn er denn tatsächlich vor hat, das umzusetzen:
„Eine mögliche Aufgabe des Vorstandes könnte auch sein, über die thematischen Entscheidungen der Basis hinaus Visionen, Konzepte und Strategien zu entwerfen, wie unsere Politik zukunftsfähig bleibt. Nach meinem Demokratieverständnis müssten diese Entwürfe aber durch die Mitglieder diskutiert, überarbeitet und verbessert werden.“
Thomas fordert Leitanträge. Ob man das so nennt oder nicht, das Prinzip ist das Gleiche: Die programmatische Privilegierung des Bundesvorstandes. Wenn wir das machen, droht unserem basisdemokratischen Selbstverständnis das gleiche Schicksal wie dem der Grünen.
Jürgen Hohlfeld
Mangelnde Kenntnisse über die Partei und ihre Arbeitsweise. Scheint sich für Programmarbeit zu interessieren und nicht für Vorstandsarbeit.
David Forstner (Canoodle)
Hat mir unterstellt, ich hätte seine Wiki-Seite vandalisiert, weil ich ihm die Frage auf seiner Diskussionsseite gestellt habe, und daraufhin seine Stellungnahme im Wiki mehrfach editiert, in offensichtlicher Unkenntnis der History-Funktion. Mangelnde Kenntnisse über das Wesen des Bundesvorstandes sowie die Partei und ihre Arbeitsweise. Es scheint ihm auch nicht bewusst zu sein, dass es bei uns keine nicht geschäftsführenden Vorstandsmitglieder gibt.
Benjamin Ölke (Samvimes)
Hat die Frage nicht beantwortet, sondern als „beschissene Suggestivfrage“ bezeichnet. Findet, er müsse „nicht jeden Scheiß beantworten“. Wer auf eine Frage eines anderen Piraten mit Fäkal-Ausdrücken reagiert, und dann auch noch erfolglos versucht den Fragesteller über Twitter ins Lächerliche zu ziehen, ist für ein Vorstandsamt nicht geeignet. Ich habe übrigens, anders als er unterstellt, kein Problem damit, wenn Vorstände gelegentlich Kraftausdrücke benutzen, mache ich selber auch. Weiß jeder, der schon mal eine meiner Reden auf Demos gesehen hat. Ich käme allerdings nie auf die Idee, die Frage eines anderen Piraten nahezu ausschließlich mit Beschimpfungen zu erwidern. Und für einen Bundesvorstand ist das m.E. sowieso ein absolutes no-go.
Werner Eymann
Mangelnde Kenntnisse über die Partei und ihre Arbeitsweise sowie das Wesen des Bundesvorstandes.
Reginald Grünberg
Mangelnde Kenntnisse über die Partei und ihre Arbeitsweise. Ich deute seine Antwort so, dass er beabsichtigt, das Amt so zu führen, wie das bei den etablierten Parteien üblich ist – Zitat: „Schnallt ihr wirklich noch nicht, wie das funktioniert?“. Seine Beurteilung der Arbeit der Bundesvorstände (insbesondere Afelia) wirkt sehr oberflächlich. Zusätzlich kam seine Antwort erst nach vier Tagen.

Geht-nur-im-Vorstand-Kandidaten

Diese Kandidaten sind mir sehenden Auges in die „was Du in der Basis nicht machen kannst“-Falle gelaufen. Anhand der Antwort scheinen sie alle grundsätzlich für den Bundesvorstand geeignet zu sein, begründen aber ihre Kandidatur mit Vorhaben, die man außerhalb des Bundesvorstandes genauso gut umsetzen kann, wenn nicht sogar besser.
Als immer noch aktuelles Beispiel (weil sie nach derzeitigem Stand nicht erneut kandidiert) aus meiner persönlichen Perspektive möchte ich Gefion nennen: Obwohl die Flaschenpost damals eine der Kernbegründungen für ihre Kandidatur war, hat sie aufgrund ihrer Funktion weit weniger Zeit für die Flaschenpost gehabt als zuvor. Sein wir ehrlich: Im Endeffekt konnte sie im BuVo nichts für die Flaschenpost tun, was sie außerhalb des Vorstandes nicht auch hätte tun können. Im Gegenteil: Sie hätte vielleicht sogar mehr Zeit dafür gehabt ohne den ganzen Vorstands-foo.
Update: @GefionT .@Cymaphore Wenn ich das bitte korrigieren darf: Ich habe letztes Jahr nicht wegen, sondern TROTZ der Flaschenpost kandidiert! Quelle
  • Heiko Müller (Ekynos)
  • Julia Schramm (laprintemps)
  • Markus Barenhoff (alios)
  • Bernd Schlömer (BuBernd)
  • Jenny Louise Becker (Ninjagonzo)
  • Johannes Ponader
  • Simon Stützer (Safecracker)

Die Anderen

Die übrigen Kandidaten, die ich der Vollständigkeit halber hier auflisten möchte, haben sich im Wesentlich nicht von den Fangfragen verführen lassen und anhand der Art ihrer Antwort gezeigt, dass sie das Wesen der Partei und der Vorstände offensichtlich grundsätzlich verstehen. Eigentlich müsste ich Bernd Schlömer hier auch mit auflisten, allerdings bin ich der Meinung, dass man nicht im Vorstand sitzen muss, um die Piraten zusammen zu halten :-)
  • Klaus Peukert (tarzun)
  • Sebastian Nerz (Tirsales)
  • Frank Fuhrmann (Meister Hora)
  • Matthias Schrade (Kungler)
  • Rene Brosig (PiratNEA)
  • Nicolai Fleckstein (Flecky)
  • Johannes Thon (Duesenberg)
  • Carsten Ries
  • Brigitta Brockmann (Fishrun)
  • Kyra Anisimov
  • Mike Rheindorf (Sea wolf)

Fazit

Wie viel Zeit wir in Neumünster für Programmanträge haben werden, hängt vollständig von uns ab.
Jeder, der darauf verzichtet, einem Kandidaten, der ohnehin keine Chance hat, eine Frage zu stellen, deren langatmige Antwort sowieso absehbar ist, schenkt dem Bundesparteitag wertvolle Zeit. Der Bundesparteitag kostet uns je nach Art der Berechnung irgendwas zwischen 50 € und 100 € pro Minute.
Jeder Kandidat, der auf langatmiges Geschwafel auf der Bühne verzichtet, so verlockend das auch sein mag, schenkt dem Bundesparteitag wertvolle Zeit.
Und an die hier unter „ungeeignet“ gelisteten Kandidaten möchte ich folgende Frage richten: Möchtet ihr die Piratenpartei weiter bringen? Dann stellt Euch bitte die Ernsthafte frage, ob das höchste Gremium der Piratenpartei sich nicht lieber mit inhaltlichen Fragen anstatt mit Eurer wahrscheinlich erfolglosen und zeitraubenden Kandidatur auseinander setzen soll. Das klingt hart, aber ich meine es ernst. Informiert euch doch bitte darüber, wie die Kandidaturen bei den Bundesparteitagen in Bingen und Heidenheim so abgelaufen sind und stellt euch selbst die Frage, ob ihr wollt, dass Neumünster genauso abläuft. Und nicht zuletzt fragt Euch doch bitte selbst: Was ist der Bundesvorstand der Piratenpartei und ist das tatsächlich, was ich will?
Und bevor jemand auf die Idee kommt, mir Ambitionen zu unterstellen: Für den Bundestag kann ich nicht kandidieren, weil ich Ausländer bin und für den Bundesvorstand bin ich derzeit definitiv nicht geeignet.

Siehe auch

08.03.2012, 19:17 Feminismus, ein Begriff

Der Kegelklub hat heute die Ergebnisse seiner Gender-Studie veröffentlicht. Besonders ins Auge gestochen ist mir die Frage, wofür der Feminismus stehen würde (Seite 27).
Die möglichen Antworten waren:
  • Bevorzugung von Frauen
  • Förderung von Frauen
  • Gleichstellung der Geschlechter
  • Ende der Bevorzugung von Männern
  • Kampf gegen Männer
Ich würde hier, im Bezug auf idealen Feminismus, klar mit „Gleichstellung der Geschlechter“ antworten. So definiere ich den Feminismus, für den ich mich einsetze. „Ende der Bevorzugung von Männern“ ist ebenfalls eine im Prinzip sinnvolle Antwort. Insgesamt haben aber 58 % der Teilnehmer der Studie sich für eine der anderen Antworten entschieden. Nach Geschlechtern aufgeschlüsselt haben sich also 61 % der Männer und 44 % der Frauen gegen die beiden zutreffenden Antworten entschieden. Der Begriff Feminismus hat also ganz offensichtlich, zumindest innerhalb der Piratenpartei, ein Image-Problem.
Wenn man sich in Deutschland mit Feminismus beschäftigt, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Alice Schwarzer. Als eine der großen Persönlichkeiten der deutschen Frauenbewegung war sie maßgeblich an der Überwindung von geschlechterspezifischen Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft beteiligt. Die Frauenbewegung hat ihren Kampf glücklicherweise gewonnen, weshalb wir heute vor neuen und teilweise auch komplexeren Problemen der Gleichstellung stehen, die sich teilweise ganz wesentlich von den damaligen Missständen unterscheiden.
Doch Schwarzer und viele ihrer Mitstreiter kämpfen, wie die sprichwörtlichen Generälinnen und Generäle, immer wieder die Schlachten vergangener Kriege.
Für viele junge Menschen grenzen die Forderungen und Vorwürfe, die diese Menschen unter dem Label "Feminismus" stellen, ans absurde. Die Art und Weise, wie die Zeitschrift EMMA etwa Seite an Seite mit Frau v.d. Leyen (Zensursula) den Gegnern des Zugangserschwerungsgesetzes pauschal unterstellt hat, sie wären Pädophile oder würden zumindest mit Pädophilen sympathisieren, das haben viele nicht vergessen. Oder wie Schwarzer vollkommen Pauschal und ohne jede Differenzierung für ein Verbot von Pornographie eintritt. Und unter Pornographie versteht man dort offensichtlich jede Art von Nacktheit, unabhängig vom Kontext, mit der Schwarzer persönlich nicht einverstanden ist. Zumindest von der Forderung eines völligen Verbots des Internets, oder zumindest einer totalen Überwachung, wie sie in den 1990ern mit Verweis auf Pornographie durch EMMA formuliert wurde, ist man mittlerweile grundsätzlich abgewichen.
Man muss nur mal die Artikel der EMMA hernehmen, oder auch die Stellungnahmen der User in ihrem Online-Forum, und dort die Begriffe "Mann"/"Männer" und "Frau"/"Frauen" vertauschen, besonders wenn wertend über die Geschlechter geschrieben wird.
Die feministische Partei "DIE FRAUEN", die mittlerweile scheinbar nicht mehr aktiv ist, war ein Versuch, diese Ideologie direkt in die Politik zu tragen. Obwohl das Programm einige gute Punkte enthält, verdeutlicht es doch eines: Viele dieser sogenannten "Feministinnen" und "Feministen" haben selbst ein durch und durch sexistisches Weltbild. Man muss nur die beiden Geschlechterbegriffe etwa im Parteiprogramm von "DIE FRAUEN" tauschen, um sich das direkt vor Augen zu führen.
Und wenn starke junge Feministinnen, wie Charlotte Roche, es wagen, mit Schwarzer nicht einer Meinung zu sein, werden diese gnadenlos bekämpft und ins Lächerliche gezogen. Der Feminismus im Dunstkreis der EMMA ist von einem - im negativsten Sinne - bemerkenswerten Schwarz-Weiß-Denken geprägt, der die historischen Leistungen dieser Bewegung bedauerlicherweise diskreditiert. Heute unterstützt Schwarzer offen und direkt die BILD-“Zeitung“, die sie vor 20 Jahren am liebsten hätte verbieten lassen.
All diese Dinge sind maßgebliche Ursachen dafür, wie die jüngere Generation den Begriff „Feminismus“ bewertet.
Die Antworten „Bevorzugung von Frauen“ und „Kampf gegen Männer“ scheinen durchaus als sinnvolle Antworten, wenn man den Begriff „Feminismus“ nur anhand dessen bewertet, was EMMA und Dunstkreis in den vergangenen Jahren so von sich geben. Und dabei wird gerne übersehen, dass zwischen den vielen Absurditäten der EMMA auch mitunter viele wichtige Forderungen stecken.
Der Feminismus, von dem die Mitglieder des Kegeklubs redet hat damit freilich wenig zu tun. Da geht es um die Chancengleichheit für alle Menschen, einen Respektvollen Umgang miteinander und eine Überwindung von Vorurteilen und krampfhaft geschlechtsbezogenem Denken. So sehe ich das zumindest. Wir sind alle Menschen, verdienen die gleichen Rechte, Chancen und Pflichten. Und das verstehe ich unter Feminismus.
Es tut mir weh, dass viele den Begriff Feminismus nur mit der Minderheitsmeinung einiger Extremisten verbinden. Und das ist meines Erachtens nach ein wesentliches Problem: Dass die Teilnehmer der Gender-Debatte unter vielen Begriffen völlig andere Dinge verstehen, und schon alleine deswegen häufig aneinander vorbei diskutieren.
Cymaphore as femaleDabei ist die Diskussion keineswegs sinnlos und wir haben als Piratenpartei die Möglichkeit, wichtige Beiträge zur Beseitigung von Ungerechtigkeiten zu leisten – wenn wir es denn endlich schaffen, bei der Thematik wie vernünftige Menschen miteinander zu reden. Innerhalb wie außerhalb der Piratenpartei.
Ich bin weder transsexuell noch homosexuell und ich halte persönlich hochhackige Schuhe für kein besonders geeignetes Schuhwerk. Dennoch habe ich in weiblicher Optik (lt. Mainstream-Definition) am vergangenen Christopher Street Day in Stuttgart bei unserer piratigen Fußgruppe teilgenommen.
Warum? Weil ich es kann!
Weil ein Rock, hohe Schuhe, Schminke und lange Haare verdammt noch mal kein Rechtfertigung dafür sein dürfen, einen Menschen auf sein biologisches Geschlecht zu reduzieren und Vorurteilsgetrieben schlechter zu behandeln.
Für mich sind alle Menschen einfach nur Menschen, unabhängig von ihrem biologischen oder sozialen Geschlecht und der Art und Weise, wie sie sich gerne kleiden und schmücken und wie sie einander lieben und woran sie glauben.

20.12.2011, 15:03 EMMA berichtet über das Thema Frauen in der Piratenpartei

Es gibt verschiedene Arten von Kritik. Eine unverzichtbare Form ist die konstruktive Kritik, die einen wirksamen Beitrag zur Lösung eines Problems darstellen kann. Dann gibt es da die Schmähkritik, die dem Ansehen eines vermeintlichen Gegners möglichst umfangreich schaden zufügen soll. Was die EMMA in ihrer aktuellen Ausgabe (Winter 2012) auf sechs Seiten über die Piratenpartei abliefert lässt den Begriff Schmähkritik wie einen Euphemismus aussehen. Ich gehe in diesem Beitrag kurz auf das Thema Frauen und Sexismus in der Piratenpartei ein und analysiere dann den Artikel in der EMMA.

Das Frauenproblem

Eines der Probleme der Piratenpartei ist die relativ geringe Zahl weiblicher Mitglieder. Das ist kein Problem der Piraten an sich. Frauen bringen sich im Vergleich zu Männern leider viel seltener in die Politik ein. Selbst Parteien mit sehr radikalen strukturellen Maßnahmen zur Gleichstellung, wie etwa die Grünen, spüren dieses Problem. Zusätzlich liegen die Ursprünge der Piratenpartei in der IT-Welt. Bis heute ist der Anteil der Frauen etwa unter den Software-Entwicklern erschreckend gering.
Eine Ursache liegt wahrscheinlich in der Erziehung. Wer schon als Kind eine qualitative Geschlechterrolle antrainiert bekommt, den prägt diese Rolle auch als Erwachsener und bei der Berufswahl. Die Geschlechterverteilung der verschiedenen Ausbildungs- und Studienzweige verdeutlicht das ebenso wie die Geschlechterverteilung in den verschiedenen thematischen Arbeitsgruppen der Parteien.

...ein Piratenproblem?

In vielen Parteien leiden Menschen unter einer qualitativen Ungleichbehandlung der Geschlechter. Auch aufgrund eines eher konservativen Gesellschaftsbildes sind dort Frauen bei den Wahlen für Parteiämter ebenso wie bei der Aufstellung von Kandidaten für Wahlen benachteiligt. Kein Wunder. Eine Partei, die sich selbst kaum von traditionellen Geschlechterrollen verabschiedet hat, in der wirken sich diese auch sehr deutlich auf Personalentscheidungen aus.
Bei der Piratenpartei ist das anders. Obwohl wir anteilig wenige weibliche Mitglieder haben, spielt das Geschlecht bei personellen Entscheidungen üblicherweise keine Rolle. Einige, wie etwa die politische Geschäftsführerin Marina Weisband (im Bezug auf sich selbst), sind der Meinung, dass Frauen bei Wahlen innerhalb der Partei gegenüber den männlichen Kandidaten sogar ein wenig im Vorteil sind.

Frauen sind bei der Piratenpartei wesentlich erfolgreicher als Männer

Wie sich allerdings anhand unserer transparenten Parteistrukturen zweifelsfrei feststellen lässt, sind Frauen als Kandidaten innerhalb der Partei üblicherweise um ein vielfaches erfolgreicher als Männer.
Ein Beispiel ist etwa der Vorstand des Piraten BzV Stuttgart von 2009/10: Drei von fünf Vorstandsmitgliedern waren damals weiblich, einschließlich der Vorsitzenden. Ganz ohne Quote, ganz ohne dass 60 % der Mitglieder weiblich wären (damals waren das wohl eher 6 %, wenn überhaupt!). 100 % der Frauen, die damals für ein Vorstandsamt kandidiert haben, wurden gewählt.
Ein anderes Beispiel ist der aktuelle Bundesvorstand, der auf dem Bundesparteitag 2011.1 gewählt wurde. Für den Vorstand haben insgesamt 23 Männer und zwei Frauen kandidiert. Gewählt wurden fünf Männer und zwei Frauen. Es war also die Kandidatur von 100 % (!) der Frauen erfolgreich, während die männlichen Kandidaturen nur zu 21,7 % erfolgreich waren. Dennoch wirft man uns von vielen Seiten vor, dass wir wir keine Geschlechterquote haben.

Teil des Problems: Darstellung in den Medien

Wir haben meines Erachtens nach im Bezug auf die Geschlechter weder ein strukturelles Problem noch ein Problem mit Sexismus. Wir haben „einfach nur“ zu wenige weibliche Mitglieder. Wie wir das ändern können, darüber zermartert sich aktuell fast alle das Hirn. Eines unserer größten Hindernisse auf dem Weg zur Lösung ist freilich unsere Außenwirkung. Viele Medien, allen voran die EMMA, stellen uns als einen reinen Männerclub oder gar offen frauenfeindlich dar.
Dass wir Marina und Gefion nicht aufgrund ihres Geschlechts sondern wegen ihrer Leistungen und überzeugenden Kandidatur in den Bundesvorstand reindiskreminiert haben, dass wird außerhalb der Partei nicht wahrgenommen. Warum auch, das klingt ja schließlich überhaupt nicht nach frauenhassendem Männerbund.

Die Artikel in der aktuellen EMMA

Ich kann kaum mit Worten beschreiben, was ich gefühlt habe, als ich die Artikel über die Piratenpartei in der aktuellen Ausgabe der EMMA gelesen habe. Die Beiträge strotzen vor Fehlern und wirken allesamt als hätte man nicht recherchiert sondern irgendwelches Hörensagen und wilde Vorurteile niedergeschrieben.
Viel schlimmer als die einfachen Fehler ist aber die bewusst manipulative Berichterstattung: Was der Autor da abliefert, hat nicht das geringste mit Kritik zu tun, das ist reine Schmähung. Mir war seit geraumer Zeit bewusst, dass EMMA nach dem Wahlerfolg in Berlin wohl zwangsläufig über uns berichten wird.
In meiner Naivität habe ich auf gute und konstruktive Denkanstöße gehofft, wie wir mehr Frauen dazu motivieren können, sich politisch zu engagieren, oder welche konkreten Punkte es gibt, an denen wir arbeiten sollten. Stattdessen durfte ich auf sechs Seiten lesen, wie scheiße ich bin, weil ich Pirat und männlich bin, was laut EMMA ja das gleiche zu sein scheint. Ich zitiere den Artikel hier nur in Auszügen – das soll aber nicht bedeuten, dass der Rest nicht kritisierenswert wäre. Kauft euch die aktuelle EMMA und lest die Artikel, wenn ihr es nicht glaubt.
Das fängt schon mit dem Titelbild des Artikels an: Das zeigt einen Ausschnitt vom Bundesparteitag 2010.1 in Bingen, auf dem fast nur Männer zu sehen sind. Bildunterschrift:
Diesen Anblick nennt sogar der Spiegel eine „Männerwelt“: Für die Berliner Piraten wird es ernst.
Warum hat die Redaktion da kein aktuelles Bild genommen, etwa vom vergangenen Bundesparteitag in Offenbach? Waren da etwa zu viele Frauen anwesend (ca. 1/3)?
Und dann die Überschrift:
Die Nerds nerven: Frauen im Boot bringen Unglück!
Was zum Teufel. Das erweckt ja den Eindruck als hätten wir das behauptet. Warum wir so einen himmelschreienden Schwachsinn behaupten sollten, kann ich mir allerdings nicht vorstellen.
Hier der Parteivorstand: Andreas Baum (li), Sebastian Nerz und Marina Weisband.
Aus der Bildunterschrift von einem Bild der dreien. Gut recherchiert, Glückwunsch. EMMA schaft es in einem Atemzug fünf Leute aus dem Bundesvorstand zu entfernen und dafür den rka da rein zu „befördern“. Die Allmacht der EMMA kennt halt keine Grenzen.
Früher haben die Frauen sich als Männer verkleidet, um bei den Piraten mitzumischen. Heutzutage kommen sie einfach (fast) gar nicht mehr vor. Auch eine Lösung. Für die Jungs.
Ist es feministisch, die weiblichen Piraten klein zu reden (kommen […] gar nicht mehr vor)? Und wenn ich mich recht entsinne, war das mit dem Verkleiden beim letzten CSD in Stuttgart eher anders herum.
Dann wird es noch abenteuerlicher. Im Artikel wird mehrmals ein sogenannter „Piratenfan“ zitiert, ohne Angabe, wer das ist und in welchem Kontext die Aussagen kamen. Auf mich wirken die Aussagen frei erfunden, aber wer weiß...
Ein Piratenfan im Internet ist da schon offenherziger: Ich glaube, dass die Piraten nur eine Chance haben, wenn sie unter sich bleiben, Jungs wählen Jungs. Frauen auf dem Boot bringen Unglück, das weiß mann doch...!
Wenn die Redaktion das nicht frei erfunden hat, so hat man es offensichtlich zumindest verändert... Warum sonst „man“ mit zwei „n“ schreiben? Klar kann irgendjemand so einen Schwachsinn denken, aber was zum teufel hat das mit uns zu tun?
Genauso gut könnte ich argumentieren, dass irgendwo ein ungenannter weiblicher EMMA-Fan der Meinung ist, alle Männer gehören ausgerottet.
Im September 2011 sind die Piraten überraschend auf einer breiten Welle von fast neun Prozent der Stimmen ins Berliner Abgeordnetenhaus gesegelt. Und nun stellen sie im Crashkurs fest, dass es in dieser Welt jenseits der sieben Worldwidemeere keine Könige gibt, sondern politische Gepflogenheiten und Kulturen, kritische Fragen und Diskussionen.
Ja genau. Wir treten bei Wahlen an, weil wir erwarten dann Alleinherrscher zu sein. Diskussionen und Kritische Fragen gibt es bei den Piraten ja nicht. Ahja. Der Autor scheint ja ein Spezialexperte über die Piratenpartei zu sein.
Bekannt geworden sind sie mit irem Kampf gegen „Zensursula“. Mit diesem Spitznamen verhöhnten sie die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen, die 2009 den Zugang zu Kinderpornografie-Seiten sperren wollte.
Davon, dass von der Leyen mit ihrem populistischen Zugangserschwerungsgesetz vollkommen gescheitert ist, und die Regierung jetzt in später Einsicht schließlich unsere Forderung, für die wir damals diskreditiert wurden umgesetzt haben, davon liest man in dem Artikel kein Wort. Stattdessen wird wieder bewusst der Eindruck erweckt, wir wären Pro-Kinderpornographie.
Zum Thema Kinderpornografie verlieren sie in ihrem Programm übrigens kein Wort.
Die große Kampagne „Löschen statt Sperren“ und unseren umfangreichen Beitrag bezüglich der wirksamen Bekämpfung von Kinderpornographie an der Quelle, wird nicht erwähnt. Anderenfalls könnte ja beim Leser möglicherweise der richtige Endruck entstehen.
Als Ende November auf einer offenen Plattform der Piratenpartei die Hackergruppe „Anonymous“ Links zu Pädophilen-Foren einstellte – angeblich in der Absicht, eine Anti-Kinderporno Kampagne zu starten, mussten die Piraten zugeben, das ihre auf Offenheit und Anonymität beruhenden Strukturen einen hervorragenden Raum für pädophile Netzwerke abgeben.
Der Teil ab mussten die Piraten zugeben ist frei erfunden. Die Anonymous-Operation Innocence und Darknet haben in den vergangenen Monaten dazu beigetragen, Kinderpornoringe zu zerschlagen und die Urheber des Materials der Justiz zu zu führen. Aber anstatt das wenigstens zu erwähnen, schmäht die Autorin lieber die Anonymous-Aktivisten.
Die Bundespartei erstattete Anzeige und erklärte öffentlich, Pädophile haben in der Partei keinen Platz. Die Diskussion anonymer User im Netz lässt daran leider Zweifel offen.
EMMA behauptet, sie wollen gar nicht alle Männer ausrotten. Die Diskussionen anonymer User im Netz lässt daran leider Zweifel offen. Oder wie jetzt?
Eine klare Absage an Kinderpornografie sieht anders aus.
Wir bekämpfen den Müll, wir verurteilen den Müll öffentlich. Was müssen wir noch tun, nackt mit einem Schild „Wir hassen Kinderpornographie“ in der Hand vor der EMMA-Redaktion demonstrieren???
Auch fällt unangenehm auf, dass Überläufer aus dem rechten Lager häufig ihre neue politische Heimat bei den Piraten finden.
Frei erfunden. Auf welchen Zahlen beruht diese wilde Behauptung überhaupt? Berücksichtigt der Autor auch, dass unser gesamtes Menschen- und Gesellschaftsbild den rechtsradikalen und faschistischen Ideen diametral widerspricht? Unter den mittlerweile knapp 19.000 Piraten wurden zwei ehemalige NPD-Mitglieder bekannt. Möglicherweise sind es auch etwas mehr. Als Schlussfolgerung daraus zu ziehen, wir seien attraktiv für Nazis ist manipulativer Schwachsinn und lässt darauf schließen, dass der Autor in seinem Leben noch mit keinem Mitglied der Piratenpartei gesprochen hat.
ziehen eben auch dezidiert demokratiefeindliche Kreise an.
…und die Pius-Bruderschaft will nächstes Jahr mit einem Pro-Toleranz-Wagen am CSD teilnehmen. Oder wie? Der Autor hat keine Ahnung von den Piraten. Oder will man allen ernstes Behaupten dass unsere ausgeprägt basisdemokratischen Parteitage der Wunschtraum eines Menschen mit ausgeprägt autoritärem Weltbild sind?
Spätestens am Wahlabend war klar: Die Piraten sind eine Männerpartei, und sie werden überwiegend von Männern gewählt. In dieser Debatte kam ein neuer Begriff auf: Post-Gender.
Und zum 1000x die Männerbund-These wiederholt, damit ja kein Leser auf den Gedanken käme was anderes zu denken... Und wenn man bei der EMMA denkt, der Begriff „Post-Gender“ wäre erst in den vergangenen Wochen aufgekommen, dann hat man wirklich dramatisch schlecht recherchiert.
In der Praxis heißt das: Wir sind ein Männerbund wie jeder andere, bloß behaupten wir, das Geschlecht spiele dabei keine Rolle.
Frei erfundener, manipulativer Müll. Oder versteht man das bei EMMA als konstruktive Kritik?
Das kommt gut an. Bei den Wählern der Piraten, die überwiegend männlich, jung und gebildet sind, aber auch oft arbeitslos.
...und diese ganzen berufsarbeitslosen EMMA-Leserinnen erst!!1! … Was soll eigentlich diese ständigen Schmähungen? Haben wir nicht genug echte Schwächen und Fehler, die man konstruktiv kritisieren kann?
Die Mischung ist brisant: Junge Männer, die einen Platz in der Gesellschaft beanspruchen, das aber (noch) nicht einlösen können.
Soll wohl übersetzt heißen: Die Piraten, was die Fordern ist doch nur warme Luft. Und auch geschickt formuliert, weil man uns im selben Atemzug einen Platz in der Gesellschaft (was auch immer das sein soll) praktisch abspricht.
Da fällt man gern in eine halb regressive, von kindlichen Abenteuerhelden, und halb aggressive, von männlichen Überlegenheitsphantasien geprägte Haltung zurück. Eine Partei, die freien Zugang zum Lieblingsspielzeug verspricht, einschließlich all der gewaltverherrlichenden Ballerspiele und Pornoseiten und der damit einhergehenden virtuellen Verantwortungslosigkeit, kommt da gelegen.
Die Piratenpartei als Porno-Amokläufer-Trainingscamp. Die Kreativität des Autors kennt keine Grenzen.
Aber auch die älteren Herren sind begeistert. Der Berliner Tagesspiegel jubelt: Die Piraten seien eine „radikalliberale Partei. Post-Anarchisten. Sie besetzen ein Feld, das von den Grünen und der FDP geräumt worden ist: individuelle Freiheit. Keine Bürokratie, keine Bevormundung, kein staatlicher Perfektionismus.“ Und keine Frauen. Und keine Frauenquote.
Und wieder werden unsere weiblichen Mitglieder kleingeredet. Und wieder wird ignoriert dass wir auch ohne Quote die Chancengleichheit bei parteiinternen Wahlen erreicht haben, wie ich oben bereits dargelegt habe. Aber wenn man das berücksichtigen würde, könnte ja beim Leser der „falsche“ Eindruck entstehen, oder?
Die Bildunterschriften auf den nächsten zwei Seiten sind dann wieder episch.
Sie ist 25, Gründungsmitglied der Piraten und initiierte auch die „Informelle Vereinigung der Piraten mit zwei X-Chromosomen“, vulgo Piratinnen.
Sie ist 25, weder Gründungsmitglieder der Piraten noch initiierte sie die Piratinnen. Die Autorin denkt da wahrscheinlich an den Kegelklub, den sie mitbegründet hat. Aber wie gesagt, recherchieren oder mit den Leuten zu reden, über die man schreibt, scheint ja zu viel verlangt zu sein.
Aber weiter im Artikel.
Im Schutz der Anonymität tobt sich jede Spielart der Frauenfeindlichkeit aus. Kritik wird grundsätzlich abgewimmelt mit dem Vorwurf, die Meinungsfreiheit werde eingeschränkt.
Das ist wie mit der Zensur im EMMA-Forum. Da wird jede Kritik rausgefiltert, die man nicht hören will, oder die vielleicht die wilden Behauptungen selbsternannter Feministen widerlegen könnte. Und wehe, man hat das falsche Geschlecht, dann steht man von vornherein auf der Abschussliste, wenn man sich nicht an die Meinungslinie der EMMA angleicht. Aus dem zitierten Satz lese ich heraus, dass man sich wohl ein Netz wünscht, dass so funktioniert, wie das eigene Forum.
Übelste, pornografisch gefasste Frauenverachtung scheint in politischen Foren, etwa zu den Piraten, selbstverständlich zu sein.
Frei erfunden. Das ist übelste Schmähkritik.
Ich fordere den Autor auf, das entweder zu beweisen oder sich offen in aller Form zu entschuldigen!
Das sich Frauen hier nicht willkommen fühlen, ist gewollt. Sie sind nicht willkommen.
Was soll ich dazu noch sagen? Mir fallen Fäkalausdrucke wieder ein, die ich seit Jahren vergessen hatte, wenn ich sowas lese. Entweder der Autor beweist solche wilden Behauptungen, oder entschuldigt sich. Was soll denn das? Wozu sollen derart unwahre Behauptungen eigentlich dienen?
Dennoch werden die Piraten – ungeachtet ihrer Mitglieder aus dem rechten Lager – gemeinhin dem linken Spektrum zugeordnet.
Nazi-Kommunisten!!1! Wusst ichs doch!
Auch die geschlechterpolitischen Teile des Programms klingen auf den ersten Blick progressiv. [...]
Was da folgte, war wahrlich überraschend: Man zitiert aus unserem Programm, sachlich, und es stimmt auch noch. Nach drei Seiten blabla doch noch, aber das währt nicht lange, denn...
Das klingt äußerst fortschrittlich. Aber wird in dieser kühnen Theorie die Realität vergessen?
Lieber Autor, das sind unsere forderungen, Dinge die wir erreichen wollen... Wenn es schon erreicht wäre, müssten wir es ja nicht fordern...
das man die reale Existenz von Geschlecht überhaupt leugnet
Frei erfunden. Lässt mich drauf schließen, dass man sich mit uns und unseren Forderungen eben nicht im geringsten auseinander gesetzt hat.
Kein Wunder also, dass im Schatten der gut gemeinten geschlechterignorenz handfest antifeministische Argumente aus rechten politischen Kreisen in dieser hippen jungen Szene blüht. Geht man beispielsweise auf die Internetseite der „AG Männer“ der Piraten, so findet man alle Themen der rechten und maskulinistischen Szene, vorgetragen im wortgleichen Duktus, wieder.
Alle Piraten die ich kenne, halten die AG Männer für eine kleine Gruppe Spinner. Keine von deren kranken Ideen hat es jemals ins Programm geschafft – zu recht! Aber in den Augen der Autorin ist die AG Männer scheinbar trotzdem absolut repräsentativ für die Piraten. Was soll man dazu noch sagen?
Nicht eine einzige parnerschaftliche und frauenfreundliche Initiative findet sich unter den Empfehlungen.
Klar, es ist ja auch die dumme AG Männer. Oder empfielt die EMMA dann demnächst Manndat? Also. Wie gesagt. Piratenpartei != AG Männer!
Ähnliches gilt auch für Äußerungen von Anhängern der Piraten
Hab ich schon erwähnt dass EMMA-Anhängerinnen die Ausrottung der Männer fordern? ;-)
Die AG Männer und diese Stimmen bilden nur einen Teil der Piratenrealität ab.
Ich behaupte: Keinen. Aber wenigstens etwas. Und warum zum Teufel befasst ihr euch dann nicht stattdessen eben auch mit dem anderen Teil?
Das Propagieren von verantwortungsfreier Selbstentfaltung im Internet
Frei erfunden und das krasse Gegenteil unserer Forderung.
wirkt jedoch wie eine Einladung an die antifeministische Rechte
Antifeministische Nazi-Kommunisten!!1!
Und was sagen die Piratinnen selber?
Nach dreieinhalb Seiten stellt sich der Autor endlich die Frage, die den Artikel meines Erachtens nach eigentlich hätte einleiten müssen. Was kommt jetzt? Stellungnahme von Marina zur Frauenpolitik? Zitate von Leena oder Stellungnahmen von Senficon? Schön wärs.
Die Quote ist für die allermeisten tabu
...ohne auch nur annähernd angemessen zu erklären, warum dem so ist.
Die Piratin Julia Schramm hat […] Piratinnen gegründet
Die Wiederholung krasser Recherchefehler macht sie auch nicht richtiger.
Für sie gehe Demokratie vor Quote, teilte Julia Schramm der tageszeitung mit.
Ja, die Tageszeitung hat mit ihr geredet. Und ihr, liebe EMMA-Redaktion???
Als stünde nicht die Quote im Dienste der Demokratie schlechthin!
Und alles andere ist Falsch! Es kann gar keine Alternative geben! Es gibt nur eine Wahrheit! … m-(
Immerhin hat sie den Mut, überhaupt die Anliegen der Piraten mit zwei X-Chromosomen zu thematisieren und ernsthaft zu diskutieren.
Immerhin? Gekonnt geschmäht. Ja, die armen schwachen Frauchen bei den Piraten... Blablabla.
Leena Simon, die vor zwei Jahren eine Mailingliste für weibliche Mitglieder initiieren wollte, es aber wegen der wütenden und hämischen Reaktionen unterließ.
Ja, den dämlichen unsachlichen Shitstorm gab es. Aber schreibt die EMMA auch, warum das Vorgehen von Leena so viel Kritik geerntet hat, besonders auch von anderen weiblichen Piraten? Nein.
Die Mailingliste sollte eine geschlossene Liste sein, das wurde mit „Schutzraum für Frauen“ argumentiert. Zum ersten sind geschlossene Listen sind bei uns eine absolute Ausnahme in extremen Bedarfsfällen. Zweitens haben viele weibliche Piraten – nachvollziehbarerweise – damit argumentiert, dass sie kein schwachen Weibchen sind und keinen Schutzraum brauchen. Und keine Sonderbehandlung, nur weil sie Frauen sind. Aber steht davon auch nur irgendwas in dem „Artikel“? Nein.
Marina Weisband etwa, politische Geschäftsführerin der Piraten, wählt angesichts der anhaltenden Diskussion in der Öffentlichkeit um das Demokratiedefizit in der Partei den Weg der Veralberung. Ich prangere diese Unterleibsschmerzen an, twittert sie. Sie sind sexistisch und von keiner Stelle legitimiert.
Wenn man glaubt, der Artikel geht nicht mehr schlimmer, unterstellt man uns ein Demokratiedefizit. Warum nicht.
Und ich möchte daran erinnern, dass Afelia mehr als einmal kritisiert, dass sich die Medien lieber mit ihren Schuhen und ihrem Lippenstift auseinandersetzen, als mit ihren politischen Forderungen. Das hat die EMMA gut gemacht. Da setzt sich die Autorin lieber mit irgendwelchen Tweets auseinander anstatt mit ihren politischen Forderungen. Gut gemacht.

Fazit

Ich habe mich jetzt nur dem ersten Artikel angenommen. In dem zweiten Artikel geht es spaßig weiter. Wenn ich mich abgeregt habe, schreibe ich evtl. auch dazu einige Kommentare. Alles in allem bin ich schwer erschüttert. Wie kann eine Zeitschrift, die selbst den Anspruch stellt die Speerspitze des deutschen Feminismus zu sein, einen (meiner Meinung nach) derartigen Müll veröffentlichen?
In meinen Augen ist das wie gesagt ein manipulativer und armseliger Artikel, dessen einziges Ziel es ist, die Piratenpartei mit allen Mitteln zu diskreditieren. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Partei und ihren Mitgliedern fehlt völlig. Man schreibt zumindest einige wenige Absätze über weibliche Mitglieder der Partei, hat sich aber offensichtlich nie die Mühe gemacht überhaupt mal mit den entsprechenden Personen zu reden. Der Übergang zwischen Fehlern und bewusst manipulativen Äußerungen ist fließend.
Aber in Zeiten, in denen Alice Schwarzer Werbung für die BILD macht, muss das wohl so sein...

Update 1:

Der genannte Artikel stammt übrigens von Gabriele Kämper.

Update 2:

EMMA's, wacht auf! Die Schlacht unserer Mütter ist geschlagen und, zum Teil, gewonnen. Jetzt wird es Zeit, weiter zu gehen. – Auszug aus einem Blog-Beitrag von Emmanuelle Roser als Reaktion auf den EMMA-Artikel

Update 3:

Müslikind hat in ihrem Blog einen sehr guten Beitrag zum EMMA-Artikel geschrieben.

Update 4:

Wir können jede Frau bestens verstehen, die sich beleidigt fühlt, wenn man über sie schreibt, statt mit ihr zu reden, und dabei auch noch einiges an Fakten durcheinander bringt. Dennoch können wir die Reaktion, diese Zeitschrift symbolisch zu verbrennen, überhaupt nicht gutheißen. Sie ist im besten Fall zerstörerisch und unkonstruktiv. – Auszug aus einem Artikel von Marina und Gefion zum Thema EMMA-Verbrennung.

01.12.2011, 19:24 Bitte um Besichtigungstermin (offener Brief an die FDP)

Offener Brief an die FDP/DVP-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg und die FDP-Fraktion im Gemeinderat von Stuttgart.
Sehr geehrte Damen und Herren von der FDP,
bekanntlich haben auch Sie kürzlich im Innenausschuss des Bundestages der verfassungsrechtlich höchst bedenklichen Visa-Warndatei zugestimmt. Die umfassende Verknüpfung auch mit der Antiterror-Datei wurde dabei völlig außer Acht gelassen. Ich gehe dementsprechend davon aus, dass Sie Ihren selbst erklärten Anspruch eine Bürgerrechtspartei zu sein somit endgültig an den Nagel gehängt haben und einen Einzug in deutsche Parlamente in Zukunft nicht länger beabsichtigen.
Ich bitte Sie zur Übermittlung von Terminvorschlägen zur Besichtigung Ihrer Fraktionsräume im Landtag und Rathaus. Wir Piraten haben ein starkes Interesse an aktiver und glaubwürdiger Bürgerrechtspolitik und beabsichtigen, sofern uns die Wähler ihr Vertrauen schenken, diese Räume jeweils ab den kommenden Legislaturperioden auch für eine eben solche Bürgerrechtspolitik zu nutzen, wie Sie sie Ihren Wählern eigentlich versprochen hatten.
Ich bin enttäuscht aber nicht überrascht.
Mit freundlichen Grüßen,
– Martin Eitzenberger, Vorsitzender der Piratenpartei Stuttgart
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16.09.2011, 09:25 PirateWall: Live-Suche für Twitter in der Shell

Für unsere Wahlparty anlässlich der Abgeordnetenhauswahl in Berlin habe ich ein kleines Script zur „Echtzeit“-Anzeige einer Twitter-Suche in der Shell geschrieben. Die Ausgabe erfolgt formatiert und in Farbe, es können verschiedene Eigenschaften (Interval, Suchvariante, etc.) bequem konfiguriert werden. Um das Script zu nutzen muss man eine Applikation bei Twitter anlegen und für diese dann einen OAuth-Token erstellen. Das lässt sich mit wenigen Klicks unter dev.twitter.com/apps bewerkstelligen. Es ist ebenfalls möglich die Farben zu deaktivieren, die Ausgabe an einen XScreensaver, z.B. „apple2“ zu verfüttern, und so eine effektvolle Vollbild-Twitterwall zu erhalten.
  • Erfordert: php5-cli (Kommandozeilen-Variante)
  • Lizenz: Apache License 2.0
  • Sprache: Englisch (Code-Dokumentation und README)

Alte Versionen:

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