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20.12.2011, 15:03 EMMA berichtet über das Thema Frauen in der Piratenpartei

Es gibt verschiedene Arten von Kritik. Eine unverzichtbare Form ist die konstruktive Kritik, die einen wirksamen Beitrag zur Lösung eines Problems darstellen kann. Dann gibt es da die Schmähkritik, die dem Ansehen eines vermeintlichen Gegners möglichst umfangreich schaden zufügen soll. Was die EMMA in ihrer aktuellen Ausgabe (Winter 2012) auf sechs Seiten über die Piratenpartei abliefert lässt den Begriff Schmähkritik wie einen Euphemismus aussehen. Ich gehe in diesem Beitrag kurz auf das Thema Frauen und Sexismus in der Piratenpartei ein und analysiere dann den Artikel in der EMMA.

Das Frauenproblem

Eines der Probleme der Piratenpartei ist die relativ geringe Zahl weiblicher Mitglieder. Das ist kein Problem der Piraten an sich. Frauen bringen sich im Vergleich zu Männern leider viel seltener in die Politik ein. Selbst Parteien mit sehr radikalen strukturellen Maßnahmen zur Gleichstellung, wie etwa die Grünen, spüren dieses Problem. Zusätzlich liegen die Ursprünge der Piratenpartei in der IT-Welt. Bis heute ist der Anteil der Frauen etwa unter den Software-Entwicklern erschreckend gering.
Eine Ursache liegt wahrscheinlich in der Erziehung. Wer schon als Kind eine qualitative Geschlechterrolle antrainiert bekommt, den prägt diese Rolle auch als Erwachsener und bei der Berufswahl. Die Geschlechterverteilung der verschiedenen Ausbildungs- und Studienzweige verdeutlicht das ebenso wie die Geschlechterverteilung in den verschiedenen thematischen Arbeitsgruppen der Parteien.

...ein Piratenproblem?

In vielen Parteien leiden Menschen unter einer qualitativen Ungleichbehandlung der Geschlechter. Auch aufgrund eines eher konservativen Gesellschaftsbildes sind dort Frauen bei den Wahlen für Parteiämter ebenso wie bei der Aufstellung von Kandidaten für Wahlen benachteiligt. Kein Wunder. Eine Partei, die sich selbst kaum von traditionellen Geschlechterrollen verabschiedet hat, in der wirken sich diese auch sehr deutlich auf Personalentscheidungen aus.
Bei der Piratenpartei ist das anders. Obwohl wir anteilig wenige weibliche Mitglieder haben, spielt das Geschlecht bei personellen Entscheidungen üblicherweise keine Rolle. Einige, wie etwa die politische Geschäftsführerin Marina Weisband (im Bezug auf sich selbst), sind der Meinung, dass Frauen bei Wahlen innerhalb der Partei gegenüber den männlichen Kandidaten sogar ein wenig im Vorteil sind.

Frauen sind bei der Piratenpartei wesentlich erfolgreicher als Männer

Wie sich allerdings anhand unserer transparenten Parteistrukturen zweifelsfrei feststellen lässt, sind Frauen als Kandidaten innerhalb der Partei üblicherweise um ein vielfaches erfolgreicher als Männer.
Ein Beispiel ist etwa der Vorstand des Piraten BzV Stuttgart von 2009/10: Drei von fünf Vorstandsmitgliedern waren damals weiblich, einschließlich der Vorsitzenden. Ganz ohne Quote, ganz ohne dass 60 % der Mitglieder weiblich wären (damals waren das wohl eher 6 %, wenn überhaupt!). 100 % der Frauen, die damals für ein Vorstandsamt kandidiert haben, wurden gewählt.
Ein anderes Beispiel ist der aktuelle Bundesvorstand, der auf dem Bundesparteitag 2011.1 gewählt wurde. Für den Vorstand haben insgesamt 23 Männer und zwei Frauen kandidiert. Gewählt wurden fünf Männer und zwei Frauen. Es war also die Kandidatur von 100 % (!) der Frauen erfolgreich, während die männlichen Kandidaturen nur zu 21,7 % erfolgreich waren. Dennoch wirft man uns von vielen Seiten vor, dass wir wir keine Geschlechterquote haben.

Teil des Problems: Darstellung in den Medien

Wir haben meines Erachtens nach im Bezug auf die Geschlechter weder ein strukturelles Problem noch ein Problem mit Sexismus. Wir haben „einfach nur“ zu wenige weibliche Mitglieder. Wie wir das ändern können, darüber zermartert sich aktuell fast alle das Hirn. Eines unserer größten Hindernisse auf dem Weg zur Lösung ist freilich unsere Außenwirkung. Viele Medien, allen voran die EMMA, stellen uns als einen reinen Männerclub oder gar offen frauenfeindlich dar.
Dass wir Marina und Gefion nicht aufgrund ihres Geschlechts sondern wegen ihrer Leistungen und überzeugenden Kandidatur in den Bundesvorstand reindiskreminiert haben, dass wird außerhalb der Partei nicht wahrgenommen. Warum auch, das klingt ja schließlich überhaupt nicht nach frauenhassendem Männerbund.

Die Artikel in der aktuellen EMMA

Ich kann kaum mit Worten beschreiben, was ich gefühlt habe, als ich die Artikel über die Piratenpartei in der aktuellen Ausgabe der EMMA gelesen habe. Die Beiträge strotzen vor Fehlern und wirken allesamt als hätte man nicht recherchiert sondern irgendwelches Hörensagen und wilde Vorurteile niedergeschrieben.
Viel schlimmer als die einfachen Fehler ist aber die bewusst manipulative Berichterstattung: Was der Autor da abliefert, hat nicht das geringste mit Kritik zu tun, das ist reine Schmähung. Mir war seit geraumer Zeit bewusst, dass EMMA nach dem Wahlerfolg in Berlin wohl zwangsläufig über uns berichten wird.
In meiner Naivität habe ich auf gute und konstruktive Denkanstöße gehofft, wie wir mehr Frauen dazu motivieren können, sich politisch zu engagieren, oder welche konkreten Punkte es gibt, an denen wir arbeiten sollten. Stattdessen durfte ich auf sechs Seiten lesen, wie scheiße ich bin, weil ich Pirat und männlich bin, was laut EMMA ja das gleiche zu sein scheint. Ich zitiere den Artikel hier nur in Auszügen – das soll aber nicht bedeuten, dass der Rest nicht kritisierenswert wäre. Kauft euch die aktuelle EMMA und lest die Artikel, wenn ihr es nicht glaubt.
Das fängt schon mit dem Titelbild des Artikels an: Das zeigt einen Ausschnitt vom Bundesparteitag 2010.1 in Bingen, auf dem fast nur Männer zu sehen sind. Bildunterschrift:
Diesen Anblick nennt sogar der Spiegel eine „Männerwelt“: Für die Berliner Piraten wird es ernst.
Warum hat die Redaktion da kein aktuelles Bild genommen, etwa vom vergangenen Bundesparteitag in Offenbach? Waren da etwa zu viele Frauen anwesend (ca. 1/3)?
Und dann die Überschrift:
Die Nerds nerven: Frauen im Boot bringen Unglück!
Was zum Teufel. Das erweckt ja den Eindruck als hätten wir das behauptet. Warum wir so einen himmelschreienden Schwachsinn behaupten sollten, kann ich mir allerdings nicht vorstellen.
Hier der Parteivorstand: Andreas Baum (li), Sebastian Nerz und Marina Weisband.
Aus der Bildunterschrift von einem Bild der dreien. Gut recherchiert, Glückwunsch. EMMA schaft es in einem Atemzug fünf Leute aus dem Bundesvorstand zu entfernen und dafür den rka da rein zu „befördern“. Die Allmacht der EMMA kennt halt keine Grenzen.
Früher haben die Frauen sich als Männer verkleidet, um bei den Piraten mitzumischen. Heutzutage kommen sie einfach (fast) gar nicht mehr vor. Auch eine Lösung. Für die Jungs.
Ist es feministisch, die weiblichen Piraten klein zu reden (kommen […] gar nicht mehr vor)? Und wenn ich mich recht entsinne, war das mit dem Verkleiden beim letzten CSD in Stuttgart eher anders herum.
Dann wird es noch abenteuerlicher. Im Artikel wird mehrmals ein sogenannter „Piratenfan“ zitiert, ohne Angabe, wer das ist und in welchem Kontext die Aussagen kamen. Auf mich wirken die Aussagen frei erfunden, aber wer weiß...
Ein Piratenfan im Internet ist da schon offenherziger: Ich glaube, dass die Piraten nur eine Chance haben, wenn sie unter sich bleiben, Jungs wählen Jungs. Frauen auf dem Boot bringen Unglück, das weiß mann doch...!
Wenn die Redaktion das nicht frei erfunden hat, so hat man es offensichtlich zumindest verändert... Warum sonst „man“ mit zwei „n“ schreiben? Klar kann irgendjemand so einen Schwachsinn denken, aber was zum teufel hat das mit uns zu tun?
Genauso gut könnte ich argumentieren, dass irgendwo ein ungenannter weiblicher EMMA-Fan der Meinung ist, alle Männer gehören ausgerottet.
Im September 2011 sind die Piraten überraschend auf einer breiten Welle von fast neun Prozent der Stimmen ins Berliner Abgeordnetenhaus gesegelt. Und nun stellen sie im Crashkurs fest, dass es in dieser Welt jenseits der sieben Worldwidemeere keine Könige gibt, sondern politische Gepflogenheiten und Kulturen, kritische Fragen und Diskussionen.
Ja genau. Wir treten bei Wahlen an, weil wir erwarten dann Alleinherrscher zu sein. Diskussionen und Kritische Fragen gibt es bei den Piraten ja nicht. Ahja. Der Autor scheint ja ein Spezialexperte über die Piratenpartei zu sein.
Bekannt geworden sind sie mit irem Kampf gegen „Zensursula“. Mit diesem Spitznamen verhöhnten sie die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen, die 2009 den Zugang zu Kinderpornografie-Seiten sperren wollte.
Davon, dass von der Leyen mit ihrem populistischen Zugangserschwerungsgesetz vollkommen gescheitert ist, und die Regierung jetzt in später Einsicht schließlich unsere Forderung, für die wir damals diskreditiert wurden umgesetzt haben, davon liest man in dem Artikel kein Wort. Stattdessen wird wieder bewusst der Eindruck erweckt, wir wären Pro-Kinderpornographie.
Zum Thema Kinderpornografie verlieren sie in ihrem Programm übrigens kein Wort.
Die große Kampagne „Löschen statt Sperren“ und unseren umfangreichen Beitrag bezüglich der wirksamen Bekämpfung von Kinderpornographie an der Quelle, wird nicht erwähnt. Anderenfalls könnte ja beim Leser möglicherweise der richtige Endruck entstehen.
Als Ende November auf einer offenen Plattform der Piratenpartei die Hackergruppe „Anonymous“ Links zu Pädophilen-Foren einstellte – angeblich in der Absicht, eine Anti-Kinderporno Kampagne zu starten, mussten die Piraten zugeben, das ihre auf Offenheit und Anonymität beruhenden Strukturen einen hervorragenden Raum für pädophile Netzwerke abgeben.
Der Teil ab mussten die Piraten zugeben ist frei erfunden. Die Anonymous-Operation Innocence und Darknet haben in den vergangenen Monaten dazu beigetragen, Kinderpornoringe zu zerschlagen und die Urheber des Materials der Justiz zu zu führen. Aber anstatt das wenigstens zu erwähnen, schmäht die Autorin lieber die Anonymous-Aktivisten.
Die Bundespartei erstattete Anzeige und erklärte öffentlich, Pädophile haben in der Partei keinen Platz. Die Diskussion anonymer User im Netz lässt daran leider Zweifel offen.
EMMA behauptet, sie wollen gar nicht alle Männer ausrotten. Die Diskussionen anonymer User im Netz lässt daran leider Zweifel offen. Oder wie jetzt?
Eine klare Absage an Kinderpornografie sieht anders aus.
Wir bekämpfen den Müll, wir verurteilen den Müll öffentlich. Was müssen wir noch tun, nackt mit einem Schild „Wir hassen Kinderpornographie“ in der Hand vor der EMMA-Redaktion demonstrieren???
Auch fällt unangenehm auf, dass Überläufer aus dem rechten Lager häufig ihre neue politische Heimat bei den Piraten finden.
Frei erfunden. Auf welchen Zahlen beruht diese wilde Behauptung überhaupt? Berücksichtigt der Autor auch, dass unser gesamtes Menschen- und Gesellschaftsbild den rechtsradikalen und faschistischen Ideen diametral widerspricht? Unter den mittlerweile knapp 19.000 Piraten wurden zwei ehemalige NPD-Mitglieder bekannt. Möglicherweise sind es auch etwas mehr. Als Schlussfolgerung daraus zu ziehen, wir seien attraktiv für Nazis ist manipulativer Schwachsinn und lässt darauf schließen, dass der Autor in seinem Leben noch mit keinem Mitglied der Piratenpartei gesprochen hat.
ziehen eben auch dezidiert demokratiefeindliche Kreise an.
…und die Pius-Bruderschaft will nächstes Jahr mit einem Pro-Toleranz-Wagen am CSD teilnehmen. Oder wie? Der Autor hat keine Ahnung von den Piraten. Oder will man allen ernstes Behaupten dass unsere ausgeprägt basisdemokratischen Parteitage der Wunschtraum eines Menschen mit ausgeprägt autoritärem Weltbild sind?
Spätestens am Wahlabend war klar: Die Piraten sind eine Männerpartei, und sie werden überwiegend von Männern gewählt. In dieser Debatte kam ein neuer Begriff auf: Post-Gender.
Und zum 1000x die Männerbund-These wiederholt, damit ja kein Leser auf den Gedanken käme was anderes zu denken... Und wenn man bei der EMMA denkt, der Begriff „Post-Gender“ wäre erst in den vergangenen Wochen aufgekommen, dann hat man wirklich dramatisch schlecht recherchiert.
In der Praxis heißt das: Wir sind ein Männerbund wie jeder andere, bloß behaupten wir, das Geschlecht spiele dabei keine Rolle.
Frei erfundener, manipulativer Müll. Oder versteht man das bei EMMA als konstruktive Kritik?
Das kommt gut an. Bei den Wählern der Piraten, die überwiegend männlich, jung und gebildet sind, aber auch oft arbeitslos.
...und diese ganzen berufsarbeitslosen EMMA-Leserinnen erst!!1! … Was soll eigentlich diese ständigen Schmähungen? Haben wir nicht genug echte Schwächen und Fehler, die man konstruktiv kritisieren kann?
Die Mischung ist brisant: Junge Männer, die einen Platz in der Gesellschaft beanspruchen, das aber (noch) nicht einlösen können.
Soll wohl übersetzt heißen: Die Piraten, was die Fordern ist doch nur warme Luft. Und auch geschickt formuliert, weil man uns im selben Atemzug einen Platz in der Gesellschaft (was auch immer das sein soll) praktisch abspricht.
Da fällt man gern in eine halb regressive, von kindlichen Abenteuerhelden, und halb aggressive, von männlichen Überlegenheitsphantasien geprägte Haltung zurück. Eine Partei, die freien Zugang zum Lieblingsspielzeug verspricht, einschließlich all der gewaltverherrlichenden Ballerspiele und Pornoseiten und der damit einhergehenden virtuellen Verantwortungslosigkeit, kommt da gelegen.
Die Piratenpartei als Porno-Amokläufer-Trainingscamp. Die Kreativität des Autors kennt keine Grenzen.
Aber auch die älteren Herren sind begeistert. Der Berliner Tagesspiegel jubelt: Die Piraten seien eine „radikalliberale Partei. Post-Anarchisten. Sie besetzen ein Feld, das von den Grünen und der FDP geräumt worden ist: individuelle Freiheit. Keine Bürokratie, keine Bevormundung, kein staatlicher Perfektionismus.“ Und keine Frauen. Und keine Frauenquote.
Und wieder werden unsere weiblichen Mitglieder kleingeredet. Und wieder wird ignoriert dass wir auch ohne Quote die Chancengleichheit bei parteiinternen Wahlen erreicht haben, wie ich oben bereits dargelegt habe. Aber wenn man das berücksichtigen würde, könnte ja beim Leser der „falsche“ Eindruck entstehen, oder?
Die Bildunterschriften auf den nächsten zwei Seiten sind dann wieder episch.
Sie ist 25, Gründungsmitglied der Piraten und initiierte auch die „Informelle Vereinigung der Piraten mit zwei X-Chromosomen“, vulgo Piratinnen.
Sie ist 25, weder Gründungsmitglieder der Piraten noch initiierte sie die Piratinnen. Die Autorin denkt da wahrscheinlich an den Kegelklub, den sie mitbegründet hat. Aber wie gesagt, recherchieren oder mit den Leuten zu reden, über die man schreibt, scheint ja zu viel verlangt zu sein.
Aber weiter im Artikel.
Im Schutz der Anonymität tobt sich jede Spielart der Frauenfeindlichkeit aus. Kritik wird grundsätzlich abgewimmelt mit dem Vorwurf, die Meinungsfreiheit werde eingeschränkt.
Das ist wie mit der Zensur im EMMA-Forum. Da wird jede Kritik rausgefiltert, die man nicht hören will, oder die vielleicht die wilden Behauptungen selbsternannter Feministen widerlegen könnte. Und wehe, man hat das falsche Geschlecht, dann steht man von vornherein auf der Abschussliste, wenn man sich nicht an die Meinungslinie der EMMA angleicht. Aus dem zitierten Satz lese ich heraus, dass man sich wohl ein Netz wünscht, dass so funktioniert, wie das eigene Forum.
Übelste, pornografisch gefasste Frauenverachtung scheint in politischen Foren, etwa zu den Piraten, selbstverständlich zu sein.
Frei erfunden. Das ist übelste Schmähkritik.
Ich fordere den Autor auf, das entweder zu beweisen oder sich offen in aller Form zu entschuldigen!
Das sich Frauen hier nicht willkommen fühlen, ist gewollt. Sie sind nicht willkommen.
Was soll ich dazu noch sagen? Mir fallen Fäkalausdrucke wieder ein, die ich seit Jahren vergessen hatte, wenn ich sowas lese. Entweder der Autor beweist solche wilden Behauptungen, oder entschuldigt sich. Was soll denn das? Wozu sollen derart unwahre Behauptungen eigentlich dienen?
Dennoch werden die Piraten – ungeachtet ihrer Mitglieder aus dem rechten Lager – gemeinhin dem linken Spektrum zugeordnet.
Nazi-Kommunisten!!1! Wusst ichs doch!
Auch die geschlechterpolitischen Teile des Programms klingen auf den ersten Blick progressiv. [...]
Was da folgte, war wahrlich überraschend: Man zitiert aus unserem Programm, sachlich, und es stimmt auch noch. Nach drei Seiten blabla doch noch, aber das währt nicht lange, denn...
Das klingt äußerst fortschrittlich. Aber wird in dieser kühnen Theorie die Realität vergessen?
Lieber Autor, das sind unsere forderungen, Dinge die wir erreichen wollen... Wenn es schon erreicht wäre, müssten wir es ja nicht fordern...
das man die reale Existenz von Geschlecht überhaupt leugnet
Frei erfunden. Lässt mich drauf schließen, dass man sich mit uns und unseren Forderungen eben nicht im geringsten auseinander gesetzt hat.
Kein Wunder also, dass im Schatten der gut gemeinten geschlechterignorenz handfest antifeministische Argumente aus rechten politischen Kreisen in dieser hippen jungen Szene blüht. Geht man beispielsweise auf die Internetseite der „AG Männer“ der Piraten, so findet man alle Themen der rechten und maskulinistischen Szene, vorgetragen im wortgleichen Duktus, wieder.
Alle Piraten die ich kenne, halten die AG Männer für eine kleine Gruppe Spinner. Keine von deren kranken Ideen hat es jemals ins Programm geschafft – zu recht! Aber in den Augen der Autorin ist die AG Männer scheinbar trotzdem absolut repräsentativ für die Piraten. Was soll man dazu noch sagen?
Nicht eine einzige parnerschaftliche und frauenfreundliche Initiative findet sich unter den Empfehlungen.
Klar, es ist ja auch die dumme AG Männer. Oder empfielt die EMMA dann demnächst Manndat? Also. Wie gesagt. Piratenpartei != AG Männer!
Ähnliches gilt auch für Äußerungen von Anhängern der Piraten
Hab ich schon erwähnt dass EMMA-Anhängerinnen die Ausrottung der Männer fordern? ;-)
Die AG Männer und diese Stimmen bilden nur einen Teil der Piratenrealität ab.
Ich behaupte: Keinen. Aber wenigstens etwas. Und warum zum Teufel befasst ihr euch dann nicht stattdessen eben auch mit dem anderen Teil?
Das Propagieren von verantwortungsfreier Selbstentfaltung im Internet
Frei erfunden und das krasse Gegenteil unserer Forderung.
wirkt jedoch wie eine Einladung an die antifeministische Rechte
Antifeministische Nazi-Kommunisten!!1!
Und was sagen die Piratinnen selber?
Nach dreieinhalb Seiten stellt sich der Autor endlich die Frage, die den Artikel meines Erachtens nach eigentlich hätte einleiten müssen. Was kommt jetzt? Stellungnahme von Marina zur Frauenpolitik? Zitate von Leena oder Stellungnahmen von Senficon? Schön wärs.
Die Quote ist für die allermeisten tabu
...ohne auch nur annähernd angemessen zu erklären, warum dem so ist.
Die Piratin Julia Schramm hat […] Piratinnen gegründet
Die Wiederholung krasser Recherchefehler macht sie auch nicht richtiger.
Für sie gehe Demokratie vor Quote, teilte Julia Schramm der tageszeitung mit.
Ja, die Tageszeitung hat mit ihr geredet. Und ihr, liebe EMMA-Redaktion???
Als stünde nicht die Quote im Dienste der Demokratie schlechthin!
Und alles andere ist Falsch! Es kann gar keine Alternative geben! Es gibt nur eine Wahrheit! … m-(
Immerhin hat sie den Mut, überhaupt die Anliegen der Piraten mit zwei X-Chromosomen zu thematisieren und ernsthaft zu diskutieren.
Immerhin? Gekonnt geschmäht. Ja, die armen schwachen Frauchen bei den Piraten... Blablabla.
Leena Simon, die vor zwei Jahren eine Mailingliste für weibliche Mitglieder initiieren wollte, es aber wegen der wütenden und hämischen Reaktionen unterließ.
Ja, den dämlichen unsachlichen Shitstorm gab es. Aber schreibt die EMMA auch, warum das Vorgehen von Leena so viel Kritik geerntet hat, besonders auch von anderen weiblichen Piraten? Nein.
Die Mailingliste sollte eine geschlossene Liste sein, das wurde mit „Schutzraum für Frauen“ argumentiert. Zum ersten sind geschlossene Listen sind bei uns eine absolute Ausnahme in extremen Bedarfsfällen. Zweitens haben viele weibliche Piraten – nachvollziehbarerweise – damit argumentiert, dass sie kein schwachen Weibchen sind und keinen Schutzraum brauchen. Und keine Sonderbehandlung, nur weil sie Frauen sind. Aber steht davon auch nur irgendwas in dem „Artikel“? Nein.
Marina Weisband etwa, politische Geschäftsführerin der Piraten, wählt angesichts der anhaltenden Diskussion in der Öffentlichkeit um das Demokratiedefizit in der Partei den Weg der Veralberung. Ich prangere diese Unterleibsschmerzen an, twittert sie. Sie sind sexistisch und von keiner Stelle legitimiert.
Wenn man glaubt, der Artikel geht nicht mehr schlimmer, unterstellt man uns ein Demokratiedefizit. Warum nicht.
Und ich möchte daran erinnern, dass Afelia mehr als einmal kritisiert, dass sich die Medien lieber mit ihren Schuhen und ihrem Lippenstift auseinandersetzen, als mit ihren politischen Forderungen. Das hat die EMMA gut gemacht. Da setzt sich die Autorin lieber mit irgendwelchen Tweets auseinander anstatt mit ihren politischen Forderungen. Gut gemacht.

Fazit

Ich habe mich jetzt nur dem ersten Artikel angenommen. In dem zweiten Artikel geht es spaßig weiter. Wenn ich mich abgeregt habe, schreibe ich evtl. auch dazu einige Kommentare. Alles in allem bin ich schwer erschüttert. Wie kann eine Zeitschrift, die selbst den Anspruch stellt die Speerspitze des deutschen Feminismus zu sein, einen (meiner Meinung nach) derartigen Müll veröffentlichen?
In meinen Augen ist das wie gesagt ein manipulativer und armseliger Artikel, dessen einziges Ziel es ist, die Piratenpartei mit allen Mitteln zu diskreditieren. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Partei und ihren Mitgliedern fehlt völlig. Man schreibt zumindest einige wenige Absätze über weibliche Mitglieder der Partei, hat sich aber offensichtlich nie die Mühe gemacht überhaupt mal mit den entsprechenden Personen zu reden. Der Übergang zwischen Fehlern und bewusst manipulativen Äußerungen ist fließend.
Aber in Zeiten, in denen Alice Schwarzer Werbung für die BILD macht, muss das wohl so sein...

Update 1:

Der genannte Artikel stammt übrigens von Gabriele Kämper.

Update 2:

EMMA's, wacht auf! Die Schlacht unserer Mütter ist geschlagen und, zum Teil, gewonnen. Jetzt wird es Zeit, weiter zu gehen. – Auszug aus einem Blog-Beitrag von Emmanuelle Roser als Reaktion auf den EMMA-Artikel

Update 3:

Müslikind hat in ihrem Blog einen sehr guten Beitrag zum EMMA-Artikel geschrieben.

Update 4:

Wir können jede Frau bestens verstehen, die sich beleidigt fühlt, wenn man über sie schreibt, statt mit ihr zu reden, und dabei auch noch einiges an Fakten durcheinander bringt. Dennoch können wir die Reaktion, diese Zeitschrift symbolisch zu verbrennen, überhaupt nicht gutheißen. Sie ist im besten Fall zerstörerisch und unkonstruktiv. – Auszug aus einem Artikel von Marina und Gefion zum Thema EMMA-Verbrennung.

01.12.2011, 19:24 Bitte um Besichtigungstermin (offener Brief an die FDP)

Offener Brief an die FDP/DVP-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg und die FDP-Fraktion im Gemeinderat von Stuttgart.
Sehr geehrte Damen und Herren von der FDP,
bekanntlich haben auch Sie kürzlich im Innenausschuss des Bundestages der verfassungsrechtlich höchst bedenklichen Visa-Warndatei zugestimmt. Die umfassende Verknüpfung auch mit der Antiterror-Datei wurde dabei völlig außer Acht gelassen. Ich gehe dementsprechend davon aus, dass Sie Ihren selbst erklärten Anspruch eine Bürgerrechtspartei zu sein somit endgültig an den Nagel gehängt haben und einen Einzug in deutsche Parlamente in Zukunft nicht länger beabsichtigen.
Ich bitte Sie zur Übermittlung von Terminvorschlägen zur Besichtigung Ihrer Fraktionsräume im Landtag und Rathaus. Wir Piraten haben ein starkes Interesse an aktiver und glaubwürdiger Bürgerrechtspolitik und beabsichtigen, sofern uns die Wähler ihr Vertrauen schenken, diese Räume jeweils ab den kommenden Legislaturperioden auch für eine eben solche Bürgerrechtspolitik zu nutzen, wie Sie sie Ihren Wählern eigentlich versprochen hatten.
Ich bin enttäuscht aber nicht überrascht.
Mit freundlichen Grüßen,
– Martin Eitzenberger, Vorsitzender der Piratenpartei Stuttgart
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16.09.2011, 09:25 PirateWall: Live-Suche für Twitter in der Shell

Für unsere Wahlparty anlässlich der Abgeordnetenhauswahl in Berlin habe ich ein kleines Script zur „Echtzeit“-Anzeige einer Twitter-Suche in der Shell geschrieben. Die Ausgabe erfolgt formatiert und in Farbe, es können verschiedene Eigenschaften (Interval, Suchvariante, etc.) bequem konfiguriert werden. Um das Script zu nutzen muss man eine Applikation bei Twitter anlegen und für diese dann einen OAuth-Token erstellen. Das lässt sich mit wenigen Klicks unter dev.twitter.com/apps bewerkstelligen. Es ist ebenfalls möglich die Farben zu deaktivieren, die Ausgabe an einen XScreensaver, z.B. „apple2“ zu verfüttern, und so eine effektvolle Vollbild-Twitterwall zu erhalten.
  • Erfordert: php5-cli (Kommandozeilen-Variante)
  • Lizenz: Apache License 2.0
  • Sprache: Englisch (Code-Dokumentation und README)

Alte Versionen:

07.09.2011, 17:42 Bedingungsloses Grundeinkommen: Nein. Ja.

Das „bedingungslose Grundeinkommen“, kurz BGE, ist einer der umstrittensten und gleichzeitig innovativsten Programmpunkte der Piratenpartei Deutschland. Der Diskurs zwischen Befürwortern und Gegnern des BGE hat einen interessanten Aspekt: Beide Seiten haben größtenteils recht.
In meinen Augen muss es sich bei dem Konzept um ein Fernziel handeln. Das BGE ist gegenwärtig, wie auch in der nahen Zukunft, meiner Meinung nach nicht umsetzbar. Während sich unsere Gesellschaft immer schneller in eine Richtung entwickelt, die grundlegende sozialpolitische Reformen dringend nötig macht, sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Einführung des Grundeinkommens noch nicht einmal in ihren Ansätzen erfüllt.
Um das bedingungslose Grundeinkommen umsetzen zu können, sind zuvor eine Vielzahl von gesellschaftlichen und sozialen Reformen unvermeidlich. Die Umsetzung dieser Reformen darf keinesfalls „über Nacht“ geschehen, sondern wird jahrelange behutsame Arbeit erfordern.
Der Streit über das BGE ist also in meinen Augen aktuell ziemlich sinnlos, da wir über kein auch nur annähernd diskutables Konzept für den Weg hin zum BGE verfügen.

Gesellschaftlicher Wandel

Der Anteil der Erwerbstätigen, der derzeit bei ca. 49 % liegt, wird in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich weiter sinken. Neben demographischen Faktoren, wie etwa der Überalterung, spielen da auch technologische Aspekte eine Rolle. Der ungebrochene Trend hin zur Automatisierung wird in den kommenden Jahrzehnten mit großer Wahrscheinlichkeit eine enorme Anzahl von Arbeitsplätzen überflüssig machen.
Viele wichtige Bereiche unserer Gesellschaft, wie der Gesundheits- und Pflegebereich, funktionieren dagegen schon heute nur aufgrund der ehrenamtlichen Arbeit unzähliger Menschen. Von sozialer Gerechtigkeit sind wir weit entfernt.
Wenn die Politik auf diese Trends nicht bald angemessen reagiert, blüht uns angesichts dieser Entwicklungen eine gesellschaftliche Katastrophe ungeahnten Ausmaßes.
Welche Auswirkung wird es wohl haben, wenn in einer Gesellschaft wie der unseren, die den Wert eines Menschen häufig an der Höhe seines Einkommens fest macht, für die Mehrzahl der Menschen keine Möglichkeit für ein adäquates Einkommen durch Arbeit mehr besteht?

Systemänderung

Nehmen wir einmal an, die Piratenpartei gewinnt 2013 die Bundestagswahlen, stellt die Regierung und führt das bedingungslose Grundeinkommen ein. Das Land wäre schlagartig am Ende.
Gut durchgeführte Änderungen am System brauchen Zeit. Man muss die Menschen bei solchen Reformen nicht nur mitnehmen, sondern die Bürger müssen den Takt vorgeben. Die Einführung des BGE ist von ihren gesellschaftspolitischen Auswirkungen vergleichbar mit der Einführung von Demokratie und Marktwirtschaft in den Staaten des ehemaligen Ostblocks. Führt man das Grundeinkommen also ein, ohne die Gesellschaft darauf vorzubereiten, wird das System nicht funktionieren.
Unsere Gesellschaft basiert auf dem Leistungszwang. Im Prinzip ist man als Mensch gezwungen, einer bezahlten Erwerbstätigkeit nachzugehen, wenn man dazu in der Lage ist. Wenn man diesen Zwang also abschafft, muss man sorge tragen, dass die Menschen damit auch zurecht kommen.
Geld ist heute ein Ausdruck der Wertschätzung einer Leistung. Wenn das Grundeinkommen funktionieren soll, dann muss zuerst die feste Kopplung zwischen Leistung und Geld aus den Köpfen der Menschen verschwinden. Ein derartiges Umdenken wird nicht von heute auf morgen einfach so stattfinden.
Das sind jetzt auch nur die offensichtlichsten Punkte.
Die funktionierende Einführung des BGE ist ein Jahrhundertprojekt.

Der Weg ist das Ziel

Und so ist es nicht ungewöhnlich, dass Befürworter und Gegner trotz erbitterter Diskussionen in vielen Punkten gleichermaßen recht haben. Das hängt eben mit den Grundvoraussetzungen zusammen: Der Weg hin zur Einführung des Grundeinkommens deckt sich in weiten Strecken mit dem Weg hin zu anderen Konzepten.
Genau da sollten wir jetzt ansetzen.
Wir müssen einen sozialpolitischen „Fahrplan“ erstellen, der nicht nur die notwendigen Änderungen und Reformen umfasst, sondern auch die Flexibilität bietet, auf die Konsequenzen daraus adäquat zu reagieren. Wie gut „wir führen das jetzt ein und basta“ funktioniert, hat uns Rot-Grün mit der Agenda 2010 gezeigt.
Unser Plan muss also im Rahmen eines gesellschaftspolitischen Gesamtkonzepts aus vielen kleinen Schritten bestehen, an deren Spitze eben die Einführung des BGE stehen kann, aber nicht muss. Der Weg ist ein Ziel.

Fazit

Ich bin ein Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens, allerdings nur, wenn die Gesellschaft dazu auch bereit ist. Das ist sie derzeit nicht. Also bin ich im Moment vor allem dafür, ein Konzept für die notwendigen gesellschaftlichen Reformen zu erarbeiten. Einen derartigen Plan brauchen wir nämlich auf jeden Fall, und auch dringender als die Forderung nach einem exakten Endergebnis dieses Weges.

Verweise und Quellen

30.09.2010, 15:51 Wasserwerfer und Tränengas

Auszug aus Piraten-Stuttgart zu den aktuellen Geschehnissen im Schlosspark inkl. Bildergallerie:
Wasserwerfer und Tränengas gegen Stuttgarter Bürger
Unglaubliche Szenen ereignen sich gerade im Herzen Stuttgarts. Seit die Polizei heute Mittag damit begonnen hat, den Stuttgarter Schlosspark für das Fällen der Bäume abzuriegeln, strömen mehr und mehr Menschen herbei um dagegen friedlich zu demonstrieren. Tausende Demonstranten blockieren die Zufahrt zum Park beim Biergarten. Seit 12:30 werden die Menschen mit Wasserwerfern und Tränengas bekämpft. Besonders betroffen vom Polizeieinsatz sind viele der Schüler, die heute an der Schülerdemo teilnehmen wollten. Aktuell bahnen sich die Wasserwerfer nach wie vor mit unnachgiebiger Härte ihren Weg durch die Demonstranten. Dennoch ist keine Gewalt seitens der Demonstranten auszumachen.
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