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18.08.2013, 16:45 Evangelische Kirchengemeinde zerstört Piratenplakat

Die evangelische Lukas- Lutherhauskirchengemeinde in Stuttgart hat eines unserer Plakate („Religion Privatisieren“) zerstört. Warum ich weiß, dass es tatsächlich Vertreter der evangelischen Landeskirche waren? Weil der Zettel auf Briefpapier der Gemeinde (Fußzeile „Kirchenwahl“) gedruckt ist mit einem Spruch, der gezielt als Erwiderung unseres Plakates angesehen werden kann, Zitat:
Evangelisches Gemeindeleben: Für echte Begegnungen und ein solidarisches Miteinander
Religion Privatisieren - Piraten-Plakat durch evangelische Kirche zerstört
Als Reaktion habe ich der Evangelischen Landeskirche das zerstörte Plakat geschenkt und mich mit einem Dialogangebot per Brief an die Kirchengemeinde gewendet:
Piratenpartei Baden-Württemberg
Martin Eitzenberger
Stöckachstrasse 53
70190 Stuttgart
Evangelische Landeskirche Baden-Württemberg
Lukas- und Lutherhauskirchengemeinde
Rotenbergstrasse 53
70190 Stuttgart
Stuttgart, 18. August 2013
Sehr geehrte Damen und Herren von der Lukas- und Lutherhauskirchengemeinde der evangelischen Landeskirche Baden-Württemberg,
wir freuen uns Selbstverständlich immer über Feedback über unsere politischen Forderungen. Leider geschah dies durch Beschädigung eines unserer Wahlplakate (Motiv „Religion privatisieren“).
Wir Piraten fordern die Abschaffung der Privilegien der großen Religionsgemeinschaften in Deutschland. Es ist immer noch so, dass der Staat etwa den Einzug der Mitgliedsbeiträge für die Kirchen übernimmt. Ein großes Problem ist auch, dass etwa die katholische Kirche mit öffentlichen Geldern Menschen beschäftigt, denen fundamentale Arbeitnehmerrechte vorenthalten werden (Streikrecht, Bezahlung, Entlassung bzw. Nichteinstellung geschiedener oder homosexueller). Wir möchten diese Missstände endlich abstellen.
Es würde uns sehr freuen, wenn wir mit Ihnen, gerne auch in größerer Runde, einen Dialog über diese wichtige Thematik führen könnten. Wenn Sie daran Interesse haben, können Sie mich gerne zwecks Terminvereinbarung kontaktieren.
Ich bitte Sie doch in jedem Fall, in Zukunft von einer Beschädigung unserer Plakate Abstand zu nehmen. Dies erfüllt schließlich den Straftatbestand einer politisch motivierten Straftat. Das Plakat, auf das Sie ihren Zettel angebracht haben, schenke ich Ihnen hiermit als Andenken und als Zeichen des guten Willens.
Ich freue mich auf einen spannenden Dialog mit Ihnen,
Mit freundlichen Grüßen,
Martin Eitzenberger
Vorsitzender der Piratenpartei Baden-Württemberg
E-Mail: martin.eitzenberger@piratenpartei-bw.de
Tel.Nr.: 0176 66101049
http://www.piratenpartei-bw.de
Ich freue mich auf einen konstruktiven Dialog mit den Mitgliedern der Kirchengemeinde.
Kleines Update: Ich betrachte die Plakate tatsächlich als zerstört, da ein Ablösen der dicken Klebestreifen die Sprüche mit abreissen würde. Weiße Balken wo vorher Inhalte waren, bedeutet für mich, dass das Plakat zerstört ist.
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20 Comments

From Vik, 18.08.2013, 19:29
Hättest das einfach hängen lassen sollte, dass wäre eine noch bessere Werbung gewesen.
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From Thomas G., 18.08.2013, 19:41
genau die richtige Reaktion auf diese freche und arrogante Überklebung :)
meine Stimme geht an die Piraten.
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From Othmar Leib, 18.08.2013, 20:07
Deine Reaktion find ich prima! Nicht auf Konfrontation, sondern auf das Gespräch setzen! Klasse!
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From Paul Menz, 18.08.2013, 20:09
Ich freue mich, dass das hier freundlich geschehen ist, ohne Spott und Häme. So wird sich noch bemüht einen Dialog zu schaffen. Es wäre klasse, wenn darauf eingegangen wird.
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From wowo, 18.08.2013, 20:42
Liebe h bei dieser Wahl Piraten wählePiraten in Stuttgart,
schon seit einiger Zeit steht für mich fest, dass ich bei dieser Wahl Piraten wähle. Auch die Forderung nach Trennung von Kirche und staat kann ich unterschreiben.
Allerdings ist es nicht so, dass Kirchenmitglieder grundsätzlich piratenfeindlich sind und auf den bestehenden Verhältnissen beharren.
Aber zunächst: Es gibt (glücklicher Weise noch) keine "baden-württembergische evangelische Landeskirche". Die evangelischenKirchen in den beiden Landesteilen sind eigenständig, und das ist gut so. In Württemberg gibt es viele Pietisten, die sind konservativer als die Katholiken. In Baden ist man da weltoffener. In der badischen Landeskirche habe ich 17 Jahre lang ehrenamtlich gewirkt, und so ein Umgang mit eurem Plakat wäre in diesem Umfeld nie in Frage gekommen.
Hoffen wir, dass wenigstens das Dialogangebot angenommen wird, und ihr könnt jetzt die Gesprächspartner richtig geographisch und organisatorisch, vielleicht sogar ideologisch zuordnen.
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From Anonymous, 18.08.2013, 20:59
Wer das Plakat überklebt hat, ist mit der Unterzeile noch nicht gesagt - da am 1. Dez. 2013 Kirchenwahl in ganz Württemberg ist, ist das nicht unbedingt auf die Kirchengemeinde zurückführbar (es sei denn, deren Name steht drauf, kann ich auf dem Bild nicht erkennen). Das Plakat könnte auch einfach Werbematerial an sich für die Kirchenwahl sein. Das Dialogangebot finde ich schön, auch wenn ich denke, dass es auch die Tat eines Einzelnen sein könnte, die man nicht unbedingt der Kirche insgesamt anlasten muss. So ähnlich, wie wenn ein Piratenwähler oder Mitglied CDU-Plakate überkleben würde. Offenbar kann sich hier jeder ein Plakat bestellen:
https://www.evmedienhaus.de/shop-und-verleih/medienhaus-shop/detailansicht/cat/kirchenwahl-2013/pr/eindruckplakat-zu-kirchenwahl-din-a3.html
Wenn die Piraten nicht so religionsfeindlich auftreten würden (und nicht nur gegen Kirche in Verknüpfung mit dem Staat, ich war mal auf einem Parteitag in Tübingen und hab dort Leute reden gehört, die extrem religionsfeindlich unterwegs waren, und das durchaus missionarisch-polemisch), wären sie für mich übrigens wählbar, da ich die eigentlichen Kernthemen sehr unterstütze - so leider nicht. In dem obigen Brief finde ich den Ton aber sehr angemessen :-)
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From Werner, 18.08.2013, 22:07
Gute Reaktion!

P.S.: typo: "Gemeinde" statt "Gemeine" (3. Zeile)
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From Max, 19.08.2013, 05:41
Ein wichtiges Recht habt ihr vergessen. Sie dürfen keinen Betriebsrat gründen. Nur ein Zahnloses Äquivalent.
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From Christian, 19.08.2013, 08:43
Moin,
ich sehe in beiden Plakaten gar kein Widerspruch. Ich freue mich aber immer über eine Diskussion.
Macht doch was Positives daraus. Hängt das Plakat neu auf und hängt ein Leerplakat drunter mit der Überschrift: "Für Kommentare"

Dann hat die Kirchengemeinde Platz für einen Dialog - ohne unser Plakat zu überkleben.

Gruß
Christian
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From svenhoffmanns, 19.08.2013, 11:16
die piraten hätten ein plakat entwerfen sollen darauf hin wo jeder bürger mit unterschrift unterschreiben kann das er für die piraten ist, vieleicht kann man das dann als pedition benutzen um was zu erreichen ... auch meine stimme gehört euch ahoi
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From Christ-Off, 19.08.2013, 16:22
Der Kommentar von Anonymous 18.8.13 sieht mir verdächtig nach Amtskirche aus: Wer kritisch sein will muss anonym bleiben und wie ein Verdächtiger im Polizeiverhör Ausflüchte suchen und nur zugeben, was 100% bewiesen werden kann. Ansonsten lügen, betrügen und perfides Benehmen. So nagelt man sich selbst ein Kreuz!
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From bengoshi, 19.08.2013, 16:57
Mir war gar nicht bewußt, dass es bei der Sachbeschädigung die Qualifikation der "politisch motivierten Straftat" gibt. Oder ist das eine politische Forderung?

Einer evangelischen Kirche Vorhaltungen zu machen, welche Privilegien die angeblich die katholische Kirche besitze, ist schon cool. Ich werde den Piraten demnächst auch vorhalten, was mich an der Union stört..

Und ein klar ist das ein eindeutiger Beweis, welcher Täter das war. Jetzt können Organisationen schon strafrechtlich belangt werden. Noch was dazu gelernt.
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From ppMite, 19.08.2013, 19:19
Höre ich da ein #mimimi?? Wer provozierend ein solches Plakat vor einer Kirche aufhängt ist selber Schuld. Tragt es wie Männer / Frauen. Und dann mit einer politisch motivierten Straftat zu kommen ist mehr als lächerlich. Wer die Reaktion nicht abkann soll nicht den Anfang machen! Oder war das keine zielgerichtete Verunglimpfung?

aber wie auch immer..

Mite
Pirat im Rheinland
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From Fred FRENZEL, 20.08.2013, 09:00
Als Hauptthema des Dialogs schlage ich diese These(A) mit GRUNDGESETZ-Hinweis(B) vor:
(A) HUMAN RIGHTS & GRUNDGESETZ stehen über BIBEL,KORAN & THORA(alphabetisch!)
(B)Nach GG 3 (3) dürfen MONOTHEISMEN nicht BEVORZUGT werden;nach Auszug der
"WEIMARER VERFASSUNG"(GG-ANHANG)138 werden STAATSLEISTUNGEN für die
MONITHEISMEN abgelöst.
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From Mary, 20.08.2013, 09:15
@christ-off: Amtskirche? Kann auch gerne mein Pseudonym hier hinsetzen, wie vermutlich die meisten hier. Wär mir neu dass die PP was gegen Anonymität im Netz hat ^^
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From Mela , 20.08.2013, 17:11
Mite: das hier vorliegende Delikt ist eine politisch motivierte Straftat, ohne dass jemand damit “kommen“ muss. Ebenso wie ein Schlag mit der Faust ins Gesicht Körperverletzung ist, selbst wenn der Schlagende vorher beleidigt wurde. Cymaphore hat lediglich auf die rechtliche Basis hingewiesen. Die Zerstörung von Wahlplakaten ist kein harmloser Jux. Ohne diese Gesetzgebung, würde wohl jeder politische Gegner nach Lust und Laune die Plakate der anderen abreissen.
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From Uwe1974, 21.08.2013, 11:50
"politisch motivierte Straftat"...jetzt bleib mal auf dem Teppich. Es passiert ja wohl jeden Tag, daß Plakate sämtlicher Parteien beschädigt, zerstört oder witzig bemalt werden. Da kräht kein Hahn nach. Aber wenn mal ein Plakat der Piraten überklebt wird, soll hier gleich ein Faß aufgemacht werden? Mal lieber schön locker bleiben. Das gehört in den politischen Alltag und sollte bei der Kostenplanung einer Plakataktion miteinkalkuliert werden.
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From tippgeber, 01.09.2013, 21:39
Ein Hinweis: Existenz und Einzug der Kirchensteuer durch den Staat sind eine Folge des Reichsdeputationshauptschluss, in Zuge dessen die Kirchen der linksrheinischen Gebiete zu Staatsgunsten enteignet worden sind. Bei Abschaffung dieses "Missstandes" müssten die Kirchen teuer entschädigt werden.

Eine Frage: Liegt dies im Interesse der Piratenpartei?
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From Pirat, 05.09.2013, 16:48
Häng doch einfach neue auf und lege dich mit einer Digikalkamera auf die Lauer. Wenn sie dann kommen um die Plakate zu zerstören, filmst du sie und erstattest eine Anzeige.
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From tippgeber, 07.09.2013, 01:21
cf http://www.ekd.de/kirchenfinanzen/assets/historische_entwicklung.pdf
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