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Our world is made of glass

06.08.2013, 09:01 Veggy Day? Ja sicher. Nicht.

Die Grünen schlagen die Einführung eines Veggie-Day vor. Damit meinen sie nicht etwa den Vegan Street Day, sondern die gesetzliche* Einführung eines fleischlosen Tages in den Kantinen deutscher Unternehmen. Was für ein Blödsinn.
Dabei kann ich mich der ursächlichen Intention dahinter durchaus anschließen: Fleisch ist ökologisch sehr teuer. Die Herstellung von einem Kilo Rindfleisch erfordert, je nach Quelle, etwa 155 Liter Wasser, 1.300 kg Getreide und 7.200 kg Heu. Jeder Deutsche isst etwa 88 kg Fleisch pro Jahr (Quelle: FAO, 2009). Dass diese etwa 7,2 Millionen Tonnen Fleisch schon rein rechnerisch nicht nur von Tieren in Freiland- und Bodenhaltung stammen können, ist offensichtlich. Und von den vielen Seiteneffekten der industriellen Tierhaltung, wie etwa die beschleunigte Entwicklung Antibiotika-resistenter Keime auch beim Menschen, möchte ich erst gar nicht anfangen. Alles in allem ist es absolut sinnvoll, seinen Fleischkonsum auf ein Maß zu reduzieren, dass, anders als jetzt, eine qualitativ hochwertige, umweltverträgliche und artgerechte Tierhaltung in der Fleischproduktion ermöglicht.
Aber es geht ja um den Vorschlag der Grünen. Ein Fleischloser Tag in deutschen Kantinen. Einem komplett verfehlten Vorschlag in meinen Augen. Es ist absehbar, dass sich die Leute nicht von den Grünen vorschreiben lassen, was sie zu essen haben, und dann isst man eben am Veggie-Day außerhalb. Und fährt dann wahrscheinlich mit dem Auto zum Mittagstisch.
Stattdessen würde ich mir eine andere Diskussion wünschen. Eine Diskussion darüber, wie teuer uns die übertrieben umfangreiche Fleischproduktion als Gesellschaft zu stehen kommt. Eine Diskussion darüber, dass ein verringerter Fleischkonsum am Ende in der Verantwortung jedes Einzelnen liegt. Und eine Diskussion darüber, dass viele Kantinen heute überhaupt keine vernünftige vegetarische Alternative anbieten. Vielleicht sollte man erst einmal da ansetzen, Alternativen schaffen, und den Leuten dann selbst die Wahl lassen.
Ich ernähre mich überwiegend fleischlos, aber ich bin definitiv kein Vegetarier. Wenn jeder Einzelne seinen Fleischkonsum auf ein ökologisch sinnvolles Maß reduziert, können wir auch so den ganzen Wahnsinn der industriellen Massentierhaltung beenden. Ganz ohne Veggie-Day. Und ohne erhobenen Zeigefinger.
Darüber hinaus hat schon das baden-württembergische Verkaufsverbot für Alkoholprodukte im Einzelhandel nach 22:00 gezeigt, dass die Verbots- und Bevormundungsmentalität (in diesem Fall waren es CDU und FDP) überhaupt nichts bringt, sondern im Gegenteil in erster Linie eine Menge neuer Probleme mit sich bringt und die Freiheit der Menschen beschneidet.
* Update: Die Grünen meinen, sie wollen es nicht gesetzlich einführen. Nur drüber reden, damit das freiwillig gemacht wird. Ich meine: Warum macht ihr es dann im Bundestagswahlkampf zum Wahlkampfthema? Was genau wollt ihr in Bundestag und Bundesregierung mit der Forderung machen?
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5 Comments

From Andreas Bühler, 06.08.2013, 10:23
Dass Du gegen den Veggie-Day bist, ist in Ordnung. Aber Du solltest wenigstens fair und sachkundig berichten.

1. Die Grünen wollen keine gesetzliche Einführung.
2. Selbst wenn sie diese wollten, hätten sie keine Handhabe dafür, denn der Bundesgesetzgeber dürfte nicht bestimmen, was Kantinen anderswo auftischen. Sie können lediglich dafür werben. Mehr wollen sie auch gar nicht.
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From Cymaphore, 06.08.2013, 10:53
Der Eindruck entsteht, wenn ich mir die Äußerungen dazu durchlese und anhöre. Ich bin nicht der Einzige, der das so versteht. Ihr bringt das Thema mitten im Bundestagswahlkampf auf. Oder was genau habt ihr dann im Bundestag vor?
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From a1, 06.08.2013, 11:24
> Darüber hinaus hat schon das baden-württembergische Verkaufsverbot für Alkoholprodukte im Einzelhandel nach 22:00 gezeigt, dass die Verbots- und Bevormundungsmentalität (in diesem Fall waren es CDU und FDP) überhaupt nichts bringt, sondern im Gegenteil in erster Linie eine Menge neuer Probleme mit sich bringt und die Freiheit der Menschen beschneidet.

Gebracht hat es schon was, fuer die Statistik ;) Die "Ausfaelligkeiten" sind spaet nachts runtergegangen, davor wird jetzt ABER schon 20 Uhr "vorgeglueht" - der Balken der Statistik wandert also lediglich in fruehere Stunden ;-)))
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From Cymaphore, 06.08.2013, 11:30
a1, nichtmal das. Geh mal nach 22:00 zu den Bahnhöfen und belebten Plätzen in den Großstädten. Da sind jetzt sogar Brennpunkte entstanden, denn im Kioskverkauf der Kneipen ist es ja erlaubt. Seit dem Alkoholverbot hat das öffentliche Biertrinken im Umfeld des Stuttgarter Hauptbahnhofes, Cannstätter Bahnhof, Rotebühlplatz, etc. spürbar zugenommen. Ist ja logisch, jetzt konzentriert es sich eher. Hirnlose Gesetzgebung halt.
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From bebberle, 06.08.2013, 14:01
Den Vorschlag des Veggiedays finde ich genau deswegen gut, weil er es geschafft hat das Thema Fleisch-Konsum in die öffentliche Diskussion zu bringen.
Alkoholkonsum ist mE nicht vergleichbar, das es die Freiheit der Folgegeneration ungleich weniger einschränkt.
Ob Verbote, oder auch Regeln zum Schutz des Lebensraums unserer Kinder notwendig sind, kann man im nächsten Schritt prüfen. Die Aufklärung steht noch ganz am Anfang und braucht Impulse.
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