Cymaphore

Now and then

Our world is made of glass

23.05.2012, 12:12 Wie wir es auch ohne Quote schaffen werden

Es wird ja aktuell viel über das Thema Geschlechterverhältnis und Frauen in der Politik diskutiert. Zahlreiche Piraten sind dabei durch Bullshit-Äußerungen negativ aufgefallen.
Zusammen mit vielen anderen, unter anderem den Missing Links, mache ich mir seit geraumer Zeit Gedanken, wie wir das Problem auch ohne politische Zwangsmaßnahmen lösen können.
Die Antwort ist, wie so oft, politische Kultur. Trotz allem und nach wie vor eine unserer größten Stärken.

Vernetzung stärken

Weibliche Mitglieder sollten sich vernetzen und wir alle sollten diese Vernetzung aktiv fördern. Missing Link muss nicht alleine ein Phänomen im Großraum Stuttgart bleiben. Genauso wie wir Piraten-Todesgebiete durch regelmäßige Stammtische und Aktionen beleben, können wir auch dieses „Piraten-Todesgebiet“ (angesichts der geringen Zahl an Kandidatinnen ist es das nun einmal) durch gute Vernetzung beleben.
Gründet Frauenstammtische und unterstützt sie aktiv. Ihr werdet es nicht bereuen. Da können wir alle nur gewinnen, ganz unabhängig vom Geschlecht. Und dabei rede ich nicht von geschlossenen Zirkeln, sondern von normalen thematischen Stammtischen, wie wir sie dutzendweise haben (Wirtschaft, Juristisches, etc., etc., auch unter den AGs).

Sichtbarkeit stärken

Nur wenn man auch nach außen unsere „weibliche Seite“ sieht, wird sich das Problem unserer geringen Attraktivität für Frauen auflösen. Dazu müssen unsere weiblichen Mitglieder auch sichtbar sein und in die öffentliche Wahrnehmung treten. Und ich rede da nicht speziell von Frauenthemen, sondern von allen Piratenthemen, wie sie uns ganz allgemein bewegen.
Sobald die Vernetzung unter den weiblichen Mitgliedern da ist, geht das fast wie von selbst, so kapert Missing Link aktuell einen unserer Infostand-Termine in Stuttgart. Was könnte es besseres geben?

Erfahrung

Wenn jemand lange dabei ist und eventuell schon einmal bei einer Wahl (z.B. Landtagswahlen 2011, Bundestagswahlen 2009) kandidiert hat, kann er meist praktische Erfahrung und thematisches Wissen vorweisen. Das ist natürlich ein Vorteil gegenüber Leuten, die das nicht vorweisen können. Statistisch gesehen sind damit viele männliche Mitglieder im Vorteil, ohne dass es in direkter Relation zum Geschlecht steht.
Das wirkt sich zwar auf alle Mitglieder ohne diese Erfahrung aus, jedoch waren in Baden-Württemberg, wie fast überall anders, in der Vergangenheit die große Mehrzahl unserer Kandidaten männlich.

Maßnahmen

Genau da müssen wir ansetzen. Wenn wir Zwangsmaßnahmen für ein gesundes Gleichgewicht der Geschlechter vermeiden wollen, müssen wir jetzt aktiv werden.
Wir müssen unseren weiblichen Mitgliedern zeigen, dass die Politik kein Hexenwerk ist. Dass sie das genauso gut hinbekommen, wie jedes andere Mitglied. Selbstvertrauen stärken und Rückhalt geben. Ich habe beobachtet, dass das Selbstvertrauen im Bezug auf eine Kandidatur unter den (überwiegend männlichen) Altmitgliedern höher ist.
Vermittelt, dass unsere Kandidaten nicht alleine sind. Klar war bei der Landtagswahl noch viel Einzelkämpfertum notwendig, aber mittlerweile genießt ein Bewerber für ein öffentliches Amt die Unterstützung einer großen Zahl an Mitgliedern.
Kompetenz ist das beste Mittel gegen fehlende Selbstsicherheit für einen Kandidaten. Unterstützt eure mit-Piratinnen dabei, das Fachwissen aufzubauen, dass es braucht, um bei einer Aufstellungsversammlung erfolgreich zu sein, auch wenn sie gegen erfahrene Altmitglieder antreten.
All das gilt auf gleiche Art für alle Geschlechter. Frauen sind da nicht besser oder schlechter als andere. Frauen haben da weder mehr noch weniger Potential. Wir sind eine große Gruppe verschiedener Menschen, aber am Ende sind wir alle gleichwertig und gleichberechtigt, unabhängig vom Geschlecht.
Wesentlich ist, dass wir ein historisches Problem kompensieren müssen, und zwar die historisch bedingte Ungleichverteilung (partei)politischer Erfahrung unter den Geschlechtern innerhalb der Partei. Das schaffen wir wie immer dadurch, dass wir einander unterstützen und stärker machen. Indem wir das Interesse unserer weiblichen Mitglieder an einer Kandidatur aktiv unterstützen, anstatt uns an eventuell noch fehlender Erfahrung bzw. Vorwissen aufzuhängen.
Wer hilft mit?
[ Link ]

8 Comments

From Jorges, 23.05.2012, 16:49
Hier gibt eine Idee, wo wir noch Leute suchen: https://piratenpad.de/p/videointerviews
[ Link ]
From Bernd, 23.05.2012, 22:13
Klingt - mal abgesehen von der punktuellen Polemik - sehr gut. Würd ich genau so unterstützen.

Gruss
Bernd
[ Link ]
From Sven, 23.05.2012, 23:05
Frauenstammtisch? Klingt nach Diskriminierung.
[ Link ]
From Abri, 25.05.2012, 08:40
Vernetzten: kein Panel ohne Frauen unter http://netzfeminismus.org/?page_id=114
[ Link ]
From Olaf, 25.05.2012, 08:48
Frauen müssen sich nicht nach einem männlichen Leitbild ändern - und schon gar nicht danach verändert werden, um sich an Prozessen der politischen Willensbildung beteiligen zu können und dürfen. Ändern müssen sich die, die benachteiligen, nicht die, die benachteiligt werden.

Viele Grüße, Olaf
[ Link ]
From Martin Kliehm, 25.05.2012, 09:00
Ich finde den Artikel gut gemeint, aber ich teile nicht alle Aussagen. IMHO müssen wir einfach rechtzeitig vor Listenaufstellungen kompetente Menschen motivieren zu kandidieren und sie dabei unterstützen. Der Artikel suggeriert, Kompetenz müsse erst aufgebaut werden, aber es gibt innerhalb und außerhalb der Partei bereits sehr große Sachkompetenz. Diese Leute müssen wir ansprechen, im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinne. Wenn wir dazu zu faul sind, bekommen wir immer die männlichen, deutschen Nerds auf Listen wie bisher. Das ist bequem, spiegelt aber nicht die Diversität unserer Gesellschaft wider und schränkt damit den Horizont ein.
[ Link ]
From Cymaphore, 25.05.2012, 09:24
Olaf, hab ich was anderes behauptet?

Martin K., genau darum geht es mir. Und mit Kompetenz ist in dem Kontext keinesfalls Fachkompetenz gemeint sondern die politische Erfahrung, die viele von uns im laufe der Jahre gesammelt haben und die neueren Mitgliedern oftmals schlicht noch fehlt (kein Meister ist vom Himmel gefallen, das betrifft uns aber auch als ganzes im Bezug auf die Politik an sich). Wegen der ungleichen Anteile der Geschlechter der Partei hat man da schlicht ein statistisches Problem. Hat man ja immer wieder, dass sich ein Kandidat auf die Frage hin "was ist ACTA?" oder "was ist INDECT?" usw. vollkommen um Kopf und Kragen redet :-)
[ Link ]
From Maike, 25.05.2012, 10:26
Ist kein schlechter Gedanke, auch wenn ich ein paar Dinge etwas anders sehe.

Maike
[ Link ]

Write Comment

Name:
eMail:
Comment:
Hint: Comment must have at least 4 characters.
Name is optional.
eMail-Address is optional and will never be published or shared in any way.
Feeds: Atom, RSS, List