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10.07.2009, 22:10 Gefährlicher Generationenkonflikt - EMMA und die Community

Viele, die mich kennen, wissen es: Ich war lange Zeit in der EMMA-Community unterwegs. Das hat mehrere Gründe. Einerseits mein laufendes Interesse an Bürgerrechtsbewegungen und deren Eigendynamik, andererseits aber auch die immer wieder nicht unumstrittenen Aktionen der EMMA-Redaktion und ihrer Chefin, Alice Schwarzer. Das Magazin und seine Chefredakteurin nehmen in der deutschen Frauenbewegung eine starke Rolle ein, viele sehen - meiner Meinung nach zu Unrecht - in EMMA gar die wahre Verkörperung des Feminismus in Deutschland.
In meinem Beitrag beziehe ich mich dementsprechend stark auf die Online-Berichterstattung von EMMA und auf seine kleine, aber diskussionsstarke Foren-Community. Und wie es mir angesichts der Position von EMMA gegenüber jüngsten Gesetzesinitiativen immer schwerer gefallen ist, den strengen Regeln und Normen des Forums gerecht zu werden, und warum ich aktuelle Meinungstendenzen in EMMA und der Community mittlerweile sogar für gefährlich halte.
Ich bitte dabei zu berücksichtigen dass sich mein Beitrag auf Forenteilnehmer bezieht, die in meiner Sichtweite waren, und keinesfall pauschal auf alle EMMA-Forenmitglieder.

Mein Anfang: Frauen und Internet, PorNO

2007 ist mir zum ersten mal bewusst die Print-EMMA in die Hände gefallen, eine interessante Erfahrung. Das Magazin war mir zuvor zwar bekannt, ich hatte mich aber nie eingehend damit beschäftigt. Einerseits war meine Meinung darüber positiv, aufgrund seines fortlaufenden Einsatz gegen die Verstümmelung weiblicher Genitalien, gegen Missbrauch und gegen Benachteiligung von Frauen. Andererseits ist mir aber auch mehrmals die eigensinnige PorNO-Kampagne ins Auge gestochen, und ich wusste von den eigenwilligen Klagen, etwa gegen den Stern wegen seines Covers, welches Grace Jones in einer für sie typischen Haltung zeigt.
Zuerst war ich ein wenig verblüfft: Die Positionen im Magazin entsprechen im großen und ganzen exakt jenen, wie man sie aus seiner Anfangszeit kannte. Dem kämpferischen Auftreten nach zu urteilen würde man meinen es hat sich für Frauen in den vergangenen 30 Jahren nichts geändert. Aber EMMA ist quasi ein Kampfblatt - und was währe ein Kampfblatt ohne sein kämpferisches, reißerisches Auftreten.
In der Ausgabe wurde dann dieses und jenes geschrieben, mit besonderem Fokus aber auf das Internet und seine Bedrohung. Die größte aller Bedrohungen im Internet sei natürlich die Pornographie, könnte man aus der Berichterstattung schließen - währe da nicht doch noch der kleine Artikel über Viren und Würmer.
Zeitgleich kam mir dann ein schlagender Gedanke: Wenn aufreizende weibliche Nacktheit in Medien so bedrohlich ist - warum dann ausgerechnet Werbung für die BILD machen?
Dieser Anflug von Doppelmoral war für mich dann der initiale Anlass, mich an den Diskussionen im Forum von EMMA zu beteiligen. Ich fragte mich, ob die Anhänger dieser Zeitschrift denn wirklich eine derartige Sichtweise der Dinge haben...

Viel veraltetes und strenge Regeln

Zuallererst ist man mit einem Forum wie aus der Steinzeit konfrontiert. Bei dem EMMA-Onlineportal kommt Typo3 zum Einsatz, somit greift die Online-Redaktion auf ein stark antiquiertes und teilweise Fehlerhaftes Forensystem zurück - bis zum heutigen Tage.
Doch die Hauptschwierigkeit zu Anfang war weniger technischer, als vielmehr ideologischer Natur: Das Forum unterliegt strenger, ideologisch gefärbter Moderation. Gerechtfertigt wird das durch permanente Störaktionen und Beschimpfungen durch anonyme Wüstlinge, und der daraus resultierenden Notwendigkeit, alle Beiträge zuerst zu sichten.
Praktisch hat das erst einmal zwei Auswirkungen: Alle Beiträge haben eine deutliche Zeitverzögerung bevor sie erscheinen, aber nur, falls der Inhalt in den strengen Augen der Moderation überhaupt forengeeignet ist. Ein positiver Aspekt daran ist, dass sich sämtliche Diskussionen hinziehen. Es kann vom Posting ausgehend schonmal ein Tag und mehr vergehen, bis man die Reaktionen auf seinen Beitrag lesen kann. Foren-erprobte Anwender fühlen sich alles in allem erst einmal in die späten 90er zurückversetzt, technisch betrachtet.
Auch habe ich relativ schnell begriffen, dass beim Schreiben der Beiträge eine gewisse Vorsicht geboten ist. Zynismus und Sarkasmus sind etwa auf Dauer nur so lange zulässig, solange sie der EMMA-Ideologie positiv gesonnen sind.
Das Klima wird zusätzlich angeheizt, da die EMMA-Benutzer stark anonymisiert sind, und das System nicht einmal PMs unterstützt, also praktisch sämtlicher Meinungsaustausch und auch Klärung im öffentlichen Forenbereich unter Moderation erfolgen muss - ein Garant für Eskalationen jeder Art, wie jeder erfahrene Forenbetreiber und -benutzer weiß.
Und so begann ein unendlicher Schreibmarathon. Ich habe immer besonderen Wert auf meine Sachlichkeit gelegt - während andere User angesichts meiner Beiträge schonmal mit leichten Beschimpfungen reagiert haben, war mein oberstes Gebot: Ruhe bewahren, sachlich antworten, extreme Meinungen durch Vergleiche ähnlicher Extreme entlarven.

Die unendliche Geschichte

Unermüdlich habe ich bei allen möglichen Themen mitdiskutiert. Wer sich die Mühe machen will, kann vieles davon noch über Google finden und die Foren-Archive nachlesen. Wann immer meiner Meinung nach wilde Klischees vertreten wurden, habe ich nicht gescheut zu widersprechen. Warum Pornographie nicht die Wurzel allen Übels in den Medien ist, warum ein neuerliches Verbot der Prostitution mehr schaden würde, als helfen, etc.
Schnell wurde mir deutlich, dass einige Forenteilnehmer eine beeindruckende Immunität gegenüber Argumentation haben, und eine echte Diskussion zu vielen Themen schlicht verweigert wird. Welche Argumente und Gegenargumente man auch immer vorbrachte - sie wurden beharrlich ignoriert und auf vorgebliche für jeden sichtbare "Tatsachen" verwiesen.
Oftmals stand ich vor dem Dilemma, wie ich einen Betrag angemessen beantworten könnte, ohne dass er der Zensur zum Opfer fallen würde. Viele meiner Beiträge sind schließlich einfach gefiltert worden.
Während die Befürworter einer bestimmten EMMA-Meinung mit wilden und reißerischen Behauptungen, Anschuldigungen und Verleumdungen hantieren können, und seien sie noch so offensichtlich absurd, steht einem als Gegner einer solchen Meinung ein vergleichsweise sehr begrenzter Spielraum zur Verfügung, oder man riskiert, dass das eigene Posting aufgrund div. Regelverstöße (Urteil im Ermessen der Moderation) erst garnicht veröffentlicht wird.
Und so habe ich mich über lange Zeit darauf beschränkt, kontinuierlich möglichst sachlich, individuell, und wo möglich/nötig mit Quellenangabe, auf die Beiträge der anderen User einzugehen, ohne mehr als einen Hauch des üblichen sarkastischen Humors einfließen zu lassen - trockene Lektüre.

Respekt, Beschimpfungen, Verleumdungen

Mit vielen Forenteilnehmern geschah die Diskussion trotz gegensätzlicher Meinungen in einem sehr respektvollen Klima. Leider gab es aber immer wieder auch solche, die mit Widerspruch und Argumentation nur schwer umgehen konnten, aber gleichzeitig sehr extreme Meinungen vertreten. Da hatte ich dann zwangsläufig keine andere Wahl als mich richtiggehend verleumden zu lassen, und dennoch nur mit leichtgewichtigen Antworten zu reagieren, um die Moderation nicht zu erzürnen. Wenn die Diskussionen einen zu persönlichen Verlauf nimmt, schreitet dann meist doch der Zensor ein und löscht entsprechende Beiträge.
Das Klima ist aber durchgehend das gleiche: Man gilt im Forum schnell pauschal als Frauenhasser weil man sich positiv zu Pornographie äußert bzw. die Dramatisierung derselben ankreidet. Das gleiche gilt aber im Grunde für jede andere EMMA-Meinung.
Frauen sind zwar leider immer noch nicht in allen Bereichen gleichgestellt, aber die Tendenz geht nach wie vor in die richtige Richtung. Oftmals gibt es im Forum aber dramatisierende Beiträge nach dem Schema "die armen Frauen - alles wird immer schlimmer". Widerspricht man dem, so wird man als Teil des Unterdrückersystems wahrgenommen und nicht ernstgenommen.

Politische Färbung

Die EMMA und ein guter Teil der Forenteilnehmer haben in meinen Augen eine deutlich konservative politische Ausrichtung. Die Erfolge und Bemühungen linker Kräfte für Gleichberechtigung werden beharrlich ignoriert oder heruntergespielt - oder gar, wie im Fall der Grünen, regelrechte Schmähkampagnen geführt. Die Konservativen dagegen, allen voran die nicht unbedingt für ihre frauenfreundliche Geschichte und Politik bekannten Unionsparteien werden nicht nur verdächtig geschont, sondern in letzter Zeit in Untertönen geradezu unterstützt. In einigen Fällen läutet gar ein überdeutlicher persönlicher Groll Alice Schwarzers durch, wie Beispielsweise beim Berichts vom 8. Juni dieses Jahres über Daniel Cohn-Bendit. Ein Artikel, der im großen und ganzen wie eine Abrechnung darüber wirkt, dass Cohn-Bendit einst ein Schreiben von EMMA unbeantwortet ließ. Auf mich wirkt auch der damalige Text als nicht besonders kreativ und stellt vor allem Fragen, die Cohn-Bendit gegenüber bereits zahllose Male gegenüber anderen Medien beantwortet hatte. Mögliche Antworten auf die Suggestivfragen des Artikels hatten offenbar nur den Zweck, Cohn-Bendit bloßzustellen und zu verleumden - die Freude hat er Schwarzer dann doch nicht gemacht.
Währe ich böse, würde ich jetzt fragen: Gibt es da vielleicht noch andere Gründe? Wie etwa, dass die grüne Bewegung derzeit europaweit alles in allem vielleicht die stärkste Frauenpolitik macht? Und Schwarzer, die sich schon immer mit den 68ern und ihren Erben angefeindet hat, somit vor Augen geführt wurde wie ihre Rivalen nach und nach bei Wahlen erfolgreich sind, während sie - abgesehen von gelegentlichen Auszeichnungen und Auftritten auf BILD-Werbeplakaten - nicht nur bei der jüngeren Generation entweder unbekannt ist, oder aber nicht ernst genommen wird, weil ihre Standpunkte in vielerlei Hinsicht nicht mehr Zeitgemäß wirken? Das würde aber bedeuten, dass Alice Schwarzer ein Problem damit hat, dass da Menschen plötzlich u.a. gute Frauenpolitik machen. Sie kann sich offenbar mit diesen Menschen weder identifizieren noch gemeinsam ablichten lassen - denn sie hat jahrelang gegen diese Frauen und Männer polemisiert.
Diese ihre Ansichten werden eben auch von zahlreichen Forenteilnehmern unreflektiert übernommen. Es entsteht beinahe der Eindruck als sei EMMA die eine, die einzige, die einzig wahre feministische Bewegung im Deutschland, die einzige Kompetenz, und ohne die EMMA sind die Frauen dem Untergang geweiht. Argumente über die Leistungen der Grünen in Gleichberechtigungsbelangen werden oft mit den immer gleichen bizarren Behauptungen beantworten, in letzter Zeit vor allem mit Angriffen auf das Prostitutionsgesetz. Dass das Gesetz ein erster Schritt war, aber mit dem Ende der grünen Regierungsbeteiligung, und eben dem Beginn der CDU/CSU-Regierungsbeteiligung die Arbeit an der Thematik doch deutlich ins Stocken geraten ist, das wird gerne verschwiegen. Diese Vorwürfe sollte man also eher an eine Seite richten - die CDU/CSU, die sich in diesen Bereichen einer Zusammenarbeit entzieht, und der SPD, die sich in letzter Zeit ohnehin einer eigenen Meinung enthält.
Und so bleibt die bizarre Situation, dass EMMA de-facto die Union unterstützt, deren überwiegend männliche Basis sich die guten alten Familienwerte und Geschlechterrollen zurückwünscht, gegen die EMMA doch vorgeblich kämpft.

Die bösen Computerspiele und die armen Mädchen

Während im Fall des Tim K. noch nicht einmal die letzte Hülse abgekühlt war, und die Behörden die ersten gröbsten Ermittlungsfehler begingen (Tat sei im "Chat" angekündigt worden, und ähnliche wilde Behauptungen, die die Behörden später ohnehin zurücknehmen mussten) zierte die EMMA-Startseite bereits ein endgültiger Schluss: "Alice Schwarzer analysiert die Tat - Motiv: Frauenhass". Die reißerische Schlagzeile wurde mittlerweile mit einem Fragezeichen abgeschwächt. Der Artikel, einen Tag nach der Tat erschienen, strotzt nach wie vor von Fehlern, Verdrehungen und Vermutungen. Alleine auf Basis der Tatsache, dass die Mehrzahl der Opfer weiblich ist, wollte sie bereits meinen zu wissen, dass es sich bei dem Täter selbstverständlich um einen Frauenhasser handeln würde. Weitere Berichte und Expertenmeinungen würden dies decken.
Als Beleg sollte unter anderem dienen, dass von den rd. 200 Pornobildern die auf seinem Rechner gefunden wurden etwa die Hälfte BDSM-Thematik waren. Er wird im Bericht als Porno-Irrer hingestellt. Da stellt sich mir doch die Frage: Ein Porno-irrer der nur rd. 200 Bilder gespeichert hat??
Über diese Themen lässt sich streiten, was ich jedoch massiv ankreide: Es wurde wild in den Wind gereimt und nicht einmal versucht auf Ermittlungsergebnisse zu warten. Die wilden und verfrühten Mutmaßungen und die reißerische Art der Artikel erwecken vor allem einen Eindruck: Schwarzer wollte halt mal was zu dem Thema sagen und hat ein Aufmerksamkeitsbedürfnis.
Meines Wissens nach ist EMMA nach wie vor die einzige Zeitschrift, die definitiv behauptet, die Tat von Tim K. währe aufgrund von Frauenhass verübt worden - korrigiert mich, wenn ich da falsch liege.
Die Berichterstattung hatte aber neben allem einen anderen interessanten Nebeneffekt: Im Forum wurde vermehrt über die Gefährlichkeit von Computerspielen diskutiert. Personen, die noch nie auf einer Lan-Party gewesen sind, keinen Ego-Shooter gespielt haben, sich nicht persönlich mit den Spielern und den Spielen befasst haben bzw. befassen wollen, meinen zu wissen, dass Computerspiele im Allgemeinen, und Ego-Shooter im Speziellen ein besonderes Problem sind und für die Verwahrlosung, Gefährlichkeit und Gewaltbereitschaft der Jugendlichen verantwortlich sind. Viele Stimmen im Forum forderten natürlich sofortige Verbote. Eine meiner ersten Fragen: Oh, ich dachte immer KoRn und Manson würden die Jugendlichen zu Amokläufen bewegen... Aber seit Metal und Industrial zum Mainstream gehören, scheint das Thema wohl vom Tisch zu sein...
Die Diskussion war sehr schwierig, da hier die Befürworter von Verboten ein besonders geringes Wissen über die, und Interesse an der, Thematik im Detail gezeigt haben. Es hatte mehr den Stil einer Hexenjagt. Die Unterstellungen nahmen abstruse Ausmaße an - so wurden pauschale Vergleiche mit rechtsradikalen Propagandaspielen angestellt, es wurde behauptet die Armeen würde normale Ego-Shooter zum Antrainieren des Tötungsreflexes einsetzen, etc. Die Listen der unqualifizierten Unterstellungen sind endlos. Auf sachliche Argumente, wie im Fall der Armee, dass es sich um Simulatoren handle, die mit gewöhnlichen Ego-Shootern einzig die zu Grunde liegende Engine gemein hätten, wurde wie auf die meisten anderen Argumente erst garnicht eingegangen.
Diese Menschen haben also kein Interesse an der Thematik, wollen sich nicht objektiv darüber informieren, interessieren sich nicht für die Gamer oder die Games an sich, wollen sich auch nicht dafür interessieren, aber sind sich in einem sicher und einig: Es gehört verboten.

Einfach nur bedauernswert: Tolerierter Rassismus

Was im Forum dagegen stets toleriert wird ist ein gewisser Unterton des Rassismus und der Ausländerfeindlichkeit. Bestimmten Volksgruppen und Religionsgruppen wird ganz pauschal Frauenhass und Unmenschlichkeit vorgeworfen, ganz ohne zwischen sozialen Schichten zu unterscheiden. Etwa mit Beiträgen, die den Islam pauschal als rückständige Hassreligion hinstellen und bezeichnen und in Untertönen sein Verschwinden aus Deutschland herbeiwünschen, hat die Moderation dann doch - kein Problem.
Das hat mich schon sehr getroffen. Gerade Mitglieder der Frauenbewegung, der Bewegung für Gleichberechtigung und Menschenrechte, die sich im Laufe der Geschichte so vielen diskriminierenden Pauschalvorurteilen und Anfeindungen auseinandersetzen musste und teils immer noch muss, toleriert offen derartige Sichtweisen... Viele Forenteilnehmer waren sicherlich anderer Meinung, aber leider die wenigsten haben offen widersprochen. Einzeln kam sogar die Frage auf, ob man die Demonstranten gegen die Unterdrückung im Iran überhaupt unterstützen dürfe, wo es doch der Unterstützung einer frauenfeindlichen Religion gleichkäme...

Die Büchse der Pandorra

Wie wir alle wissen hat eine Ministerin eine geniale Idee gehabt, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Wahlkampf und staatliche Kontrolle. Ministerin von der Leyen, bei Experten und den meisten Internetusern schlicht als "Zensursula" bekannt, nutzt ein Thema, bei dem sich schon prinzipiell keiner was zu sagen traut ein, um Mechanismen durchzusetzen, die sich ihr Kollege im Innenministerium schon lange wünscht, aber nicht traut direkt anzufordern - bisher. Ich glaube auf die lange Diskussion rund um das Zensurbegehren der Ministerin brauche ich nicht näher einzugehen, und die Sachlage ist jedem ausreichend bekannt, ich konzentriere mich daher auf meine äußerst interessanten Erfahrungen zu dem Thema im EMMA-Forum.
Zu allererst, es mag hart klingen, aber: Sämtliche Sperrbefürworter im EMMA-Forum scheinen über keinerlei technisches Hintergrundwissen zu dem Thema zu verfügen. Ich zweifle sogar daran, dass sich in dem Fall überhaupt jemand in der EMMA-Redaktion zumindest grundsätzlich mit den Dingen auskennt die sie in da fordern bzw. unterstützen. Das hat EMMA nicht daran gehindert zahlreiche Artikel zu schreiben, und vorgebliche Experten zu zitieren. Die Schlüsse waren klar. Die Maßnahmen seien gut, und richtig, die Kritiker unwissend, naiv oder pädophile. Im Forum war die Diskussion ähnlich.
In rasender Leidenschaft wurden die Maßnahmen verteidigt, auf Sachargumente wurde nichtmal im Ansatz eingegangen. Die entsprechenden Threads sind schockierend. Zu jedem Preis sei die Kinderpornographie zu bekämpfen, alles müsse man tun, auf jede Freiheit könne man verzichten, würde man nur die Kinder damit schützen. Die Sperrfreunde sind dabei gegen jede Argumentation immun, etwa dass die Sperre vollkommen wirkungslos ist, aber Zensurmethoden salonfähig macht. Praktischerweise werden damit Pädophile gewarnt, dass ihre Seiten entdeckt wurden, und darauf, dass es einfacher ist die Seiten zu löschen, wenn denn die Behörden ihre Arbeit machen würden, wird nicht eingegangen. Dass sowieso vermutlich die wenigsten Kriminellen hier Websites dafür nutzen sondern eher, von den Sperren prinzipiell nicht betroffen, auf P2P-Techniken zurückgreifen, das war dann, böse gesagt, wohl endgültig zu hoch.
Kritik an der Ministerin: Streng verboten. Stets klang Unverständnis durch, warum die Sperrgegner denn die Pädophilen beschützen wollen, und überhaupt dass die Piraten ohnehin alle arbeitslose Anarchos, rebellische Spinner u.ä. Seien. Wenn nicht sogar allesamt pädophile.
Eine ernstzunehmende Diskussion war kaum mehr möglich, die Moderation hat noch dazu persönliche Beleidigungen der Sperrgegner durch die Sperrbefürworter immer wieder mal „übersehen“, die noch mild gefassten sarkastischen Reaktionen darauf aber zum Anlass genommen, ganze Postings zu entfernen.

Und am Ende...

EMMA ist endgültig nicht mehr ernstzunehmen. Wie auch die Verräterpartei hat sich das Magazin und seine Herausgeberin auf einen Pfad gegeben, den man beim besten Willen nicht mehr unterstützen kann. Das klassische Gegenteil von „gut“ ist eben „gut gemeint“.
Die gute Nachricht: Dass heißt natürlich keine Wiedereinführung der Unterdrückung der Frau. Vielmehr ist es so, dass der Prozess der Gleichberechtigung bereits vor längerem geradezu selbsttragend geworden ist, und keiner Alice Schwarzer mehr bedarf. Frauen erobern mehr und mehr die Führungspositionen die ihnen zustehen, EMMA spielt dabei schlicht keine Rolle mehr und befindet sich offensichtlich in einer fortlaufenden Suche nach dem eigenen Sinn. Dass diese Suche das Blatt nun zum Durchführungsgehilfen überwachungssüchtiger Männer gemacht hat, halte ich für bedauerlich, denn EMMA könnte so viel mehr sein. Statt zu einer "Hall of Fame" weiblicher Leistungen zu werden, vertieft man sich bei EMMA auf sein dunkles, schwarzes Weltbild, und versucht sich durch das Bekämpfen alter Feinde einerseits, und durch das Unterstützen fragwürdiger konservativer Regierungsmaßnahmen andererseits ein neues Profil zu geben...
Ich wurde letztlich im Forum endgültig gesperrt, weil ich auf sarkastische Art einen beleidigenden Beitrag eines anderen Forenteilnehmers kommentiert habe, und die Moderation offensichtlich genug davon hatte, ständig meine Beiträge zu löschen. Sie hätten meine Beiträge auch schlicht mit einem STOP-Schild bedecken könnte - dann könnte ich zumindest heute noch unbehelligt schreiben...
Abschließend möchte ich auf eine gute Alternative zu "EMMA" verweisen: Missy - zeitgemäß, unverbittert, ernstzunehmen - einfach lesenswert. Auf dem größten Teil der jungen Feministinnen, allen voran Charlotte Roche, liegt dann doch der Alice Schwarzer "Kirchenbann"... ;-)
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