Die jüngste Gender-Diskussion innherhalb und rund um die Piratenpartei erweckt oftmals den Eindruck, als gäbe es bei den Piraten grundsätzlich keine Frauen, die etwas zu sagen haben. Das finde ich immens schade, denn einige der wichtigsten Persönlichkeiten der deutschen Piraten sind Frauen - und werden durch diese Diskussion meines Erachtens nach schwachgeredet.
Frauen an der Parteispitze
Meine Informationen hier habe ich den offiziellen Websiten der
Landesverbände, des
Bundesvorstands sowie aus dem Wiki entnommen und nach bestem wissen und gewissen zusammengetragen.
In mehr oder weniger zufälliger Reihenfolge, Frauen in führenden Parteiämtern:
- Nicole Hornung, Beisitzende Bundesvorstand
- Desiree Huthmacher, Vorsitzende LV Hamburg
- Michaela Schauerhammer, Stv. Vorsitzende LV Berlin
- Katja Dathe, Schatzmeisterin LV Berlin
- Susanne Kübler, Stv. Vorsitzende LV Brandenburg
- Silke Jahr, Stv. Vorsitzende LV Mecklenburg-Vorpommern
- Beatrix-Isabell Haug, Schatzmeisterin LV Mecklenburg-Vorpommern
- Regina Walter, Beisitzende Vorstand LV Mecklenburg-Vorpommern
- Christina Richter, Beisitzende Vorstand LV Mecklenburg-Vorpommern
- Birgit Rydlewski, Vorsitzende LV Nordrhein-Westfalen
- Anna Scherer, Vorsitzende LV Rheinland-Pfalz
- Jasmin Maurer, Stv. Vorsitzende LV Saarland
- Katja Mette, Politische Geschäftsführerin LV Sachsen
- Heide Hagen, Beisitzende Vorstand LV Berlin
Übersicht über die Parteiämter:
- Bundesvorstand: 1 Frau (14,29%), 6 Männer
- Landesverbände, Vorsitzende: 3 Frauen (18,75%), 13 Männer
- Landesverbände, Stv. Vorsitzende: 4 Frauen (23,53%), 13 Männer
Als Vergleich kann man die Statistiken
hier heranziehen. Was den Frauenanteil der Vorstandsmitglieder angeht, verlieren die Piraten laut dieser Statistik sogar gegen die FDP (nur 21,1% Frauen im Bundesvorstand). Obwohl es in den Führungspositionen der Landesverbände schon besser aussieht, gibt es auch einen geringen Anteil an Frauen.
Die Piratenpartei erhebt offiziell keine Statistik über das Geschlecht ihrer Mitglieder und Unterstützer. Schätzungen (mit Vorsicht zu genießen) gehen von einem Anteil von 90% Männern an den Mitgliedern aus.
Sind diese Schätzungen korrekt, und die Piraten haben einen derart hohen Anteil männlicher unterstützer, heißt dies aber auch im Gegenzug, dass die Frauen anteilsmäßig stärker in den Vorständen repräsentiert sind als die Männer. Ohne offizielle Erhebung des Geschlechts steckt in dieser Analyse aber auch viel Spekulation.
Eine realistische Erfassung des Geschlechteranteils der Crews wiederum scheint durch die losen Strukturen der Partei nahezu unmöglich.
Prominente weibliche Piraten
Die deutschen Piraten verfügen – außerhalb der Vorstände – über eine Vielzahl weiblicher Mitglieder und Unterstützer, die ein hohes Ansehen und prägenden Einfluss genießen.
Mela etwa war die Hauptauthorin des Newsletters von klarmachen-zum-aendern.de (mittlerweile leider down).
Was den offiziellen
Newsletter der Piratenpartei angeht, so ist dieser fast ausnahmslos in weiblicher Hand.
Bianca Ziegler informiert mit Unterstützung von Silke Dürrhauer, Nicole Celikkesen, Gudrun Habersetzer und Elle Mudkips regelmäßig über wichtige Themen.
Amelia Andersdotter
Mit Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon erhielten die schwedischen Piraten ein zweites Mandat im EU-Parlament. Dieses wird, sobald die Bürokraten ihr Deathmatch beendet haben (siehe dazu auch jüngst
diesen extrem lesenswerten Artikel), von
Amelia Andersdotter angetreten.
Ich verfolge ihre steile "Karriere" innerhalb der Piraten schon seit längerer Zeit mit Interesse, und bin mehr und mehr von ihr Beeindruckt. Sie ist zweifellos eine der ganz prägenden Persönlichkeiten der Piraten. Sie Vertritt ihre Ideale konsequent, ist ehrlich und direkt. Ihre unkomplizierte herangehensweise an die Politik wirkt meiner Beobachtung nach wie Gift auf unsere politischen Gegner.
Fazit
In absoluten Prozentpunkten sind Frauen in den Vorständen zwar leider nach wie vor in der Unterzahl, allerdings ist die Piratenpartei eine sehr junge Bewegung, und der Anteil der Frauen in den Vorständen zeigt einen deutlichen Aufwärtstrend. Der Anteil der Frauen in Parteiämtern scheint wesentlich höher zu sein als die zahl weiblicher Mitglieder, was mangels statistischer Erhebung der Geschlechter allerdings v.a. auf Schätzungen beruht.
Der Anteil weiblicher Vorstände ist - allem Anschein nach - also höher als der Anteil weiblicher Mitglieder.
Vom mehr- oder weniger starken Engagements in der Bewegung je nach Geschlecht kann also eher nicht die Rede sein. Gäbe es eine Art systematisches Mobbing, wie
Leena das mit ihrer
äußerst umstrittenen Initiative indirekt andeutet, dann müsste der Anteil von Frauen in den Vorständen in Relation zur gesamtzahl weiblicher Mitglieder eigentlich geringer sein.
Es ist meine Beobachtung und feste Überzeugung, dass es innerhalb der Piraten nahezu keine Rolle spielt welches Geschlecht man hat, es zählen Fähikeiten und Einsatz.
Meiner persönlichen Verschwörungstheorie ( ;-) ) nach trägt eine wesentliche Schuld für die jüngste Eskalation die fortlaufende Negativ-PR der Zeitschrift EMMA und ihrem Dunstkreis – die extrem-feministische Zeitschift gegt seit längerem einen Groll gegen die Piratenpartei (siehe auch: „Piratenpartei als Pascha des Monats bei EMMA" sowie „EMMA: Abgedruck"). Die Zeitschrift ist nicht zuletzt während des Bundestagswahlkampfs wieder durch ihre bevorzugende und beschönigend wirkende Berichterstattung für Kanzlerin Angela Merkel (einer persönlichen Freundin von Alice Schwarzer) aufgefallen. Zu beobachten ist ausserdem, wie einige der Unterstützer von Leenas These sich einem EMMA-Typischen Vokabular bedienen, z.B. ist "Maskulismus" im Deutschen nahezu ausschließlich innerhalb der EMMA-Clique im Gebrauch.
(Nachtrag zu den zwei Absätzen: Ja, da ist mein Misstrauen gegenüber der EMMA und ihren Kampagnen wieder mit mir durchgegangen...)
Update: Aufgrund allgemeiner Beschwerden habe ich den
Deppenapostroph entfernt und entschuldigung an Michaela Schauerhammer für die Geschlechtsumwandlung durch ein fehlenes "a" ;-)
Update: Ich habe Heide Hagen übersehen - Liste ergänzt.
Update: Rundungsfehler korregiert.
11 Comments
Wie bitte? Mach Dich doch erstmal schlau, bevor Du irgendwelche Verschwörungstheorien entwickelst. Google kann auch Dir helfen.
und wo findet man außerhalb der EMMA-Sphäre im deutschsprachigen das Wort "Maskulisten"? :-)
Ritinardo,
Meine These: Es gibt anteilig mehr Frauen in den Vorständen als es anteilig weibliche Mitglieder allgemein gibt... Dass macht die Partei für mich nicht Frauenfreundlich, das habe ich nicht behauptet... Ich behaupte, das es bedeutet, dass Frauen wahrscheinlich nicht gezielt Systematisch benachteiligt werden, dann währe die Verteilung eher umgekehrt... Oder Interpretiere ich da zu viel rein?
Denkbeispiel: Nehmen wir an es gibt diese Daumen mal pi 10 - 15% weiblichen Parteimitglieder, wie viele spekulieren... Dann bedeutet ein Antel von 20 - 25% in den Vorständen, dass wir zu wenige weibliche Parteimitglieder haben, die aber den Zahlen nach innerhalb der Piraten nicht benachteiligt werden...
Gegenbeispiel: Es gibt ~50% Frauen in Deutschland, aber nur 2,5% Frauen in den Vorständen der Firmen - das lässt auf systematische Benachteiligung schließen.
Oder denke ich da verkehrt?
"und wo findet man außerhalb der EMMA-Sphäre im deutschsprachigen das Wort 'Maskulisten'?"
z.B. bei den "Alphamädchen"-FeministInnen, die man keineswegs der EMMA-Clique zuordnen sollte.
okay, gutes Argument, der Begriff hat ja mittlerweile seine Runde gemacht... Du hast wohl recht, der Begriff ist mittlerweile in allen feministischen Kreisen verbreitet... Ich werde dann mal eine Ergänzung schreiben :-)
http://library.fes.de/pdf-files/wiso/07054.pdf
Mehr dazu unter http://pruzzen.blogspot.com/search/label/Frauen - mit Part 1 bis 4.
Männer jaulen über Frauen...
Ich halte das für wenig konstruktiv. Ihr habt ja evtl. in einigen Punkten recht, aber hier unterstellen sich die Geschlechter ja förmlich systematisches gegeneinander-agieren. Ich halte das für paranoid und wenig förderlich. EGAL welches Geschlecht die Vorwürfe erhebt.
Wenn es etwas konkretes gibt, egal für/gegen welches Geschlecht, dann gehört daran gearbeitet und dann gehört das behoben. Aber dieses wilde "Alle Frauen/Männer/Whatever sind gegen mich!!!" führt nur zu weiterem bösen Blut.
(Falls mein Beitrag wie so ein Geheule rüberkommt - so war er sicherlich nicht gedacht!)
Nichtmal die Radikalfeministinnen von der EMMA sind so bescheuert, sich etwas derart entlarvendes wie den "Maskulismus" auszudenken. Den gibt es - leider - frei Haus.
Zu guter Letzt: in der neuen Titanic werden die Männerrechtler treffend aufs Korn genommen. Das Traurige: der Autor musste seine "Berichterstattung" nicht satirisch verfremden. Er musste einfach nur auf den oben genannten Webseiten lesen und abschreiben.
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