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Our world is made of glass

02.12.2009, 20:45 Kirchturmverbot in der Schweiz

Bekanntlich hat sich vergangenes Wochenende das schweizerische Volk mehrheitlich für ein Verbot von Kirchtürmen ausgesprochen. Die Kirchtürme sollen allerdings nur verboten werden, wenn die Menschen in der dazugehörigen Kirche ihren Glauben an Gott auf eine bestimmte Art ausdrücken.
Das wirft in meinen Augen interessante Fragen auf.
Was zum Beispiel ist, wenn eine Kirche geplant werden würde, die dann den Gläubigen mehrerer Religionsgemeinschaften für Gebete zur Verfügung stehen soll? Also nicht nur solchen, die einen Kirchturm bauen dürfen, sondern sogar jenen, welchen das verboten ist? Darf dieses Gebäude dann über einen Turm verfügen, und wie darf dieser dann aussehen?
Oder gefällt den Menschen die Architektur von Kirchen auf dem Balkan und Kleinasien nicht? Das ist mir zwar ein wenig unverständlich, währe aber eine mögliche Erklärung. Wobei es ja schon Touristen in der Türkei gegeben haben soll, die vor einem christlichen Gotteshaus stehend fest der Meinung waren, es würde sich um ein islamisches handeln. Schließlich stünde ja auch am Aushang vor dem Gebäude irgendwas mit Allah, welcher ja bekanntlich der Gott des Islam sei.
Aber gut, Irrtümer gibt es immer. Viele Gläubige des Westens sind eben trotz monotheistischen Weltbilds der Meinung, sie würden nicht zu Allah, sondern zu Gott beten. Stellen wir uns zwei solcher Menschen vor. Einer kennt mich nur unter meinem Vornamen, der andere nur unter meinem Nickname. Beide unterhalten sich über mich, sind aber der Meinung es handelt sich bei mir um zwei völlig verschiedene Personen. Das ich daneben stehe und schriftlich widerspreche ist dann beiden sicherlich egal. Aber genug der Megalomanie.
Im Endeffekt ist es vermutlich das gleiche alte Problem: Die Menschen glauben in ihrer Paranoia lieber den einfachen Antworten. Die Fremdartigen sind schuld. Die schauen schon danach aus. Denen kann man nicht trauen. Die kennt man nicht.
Die Muslime der Schweiz können eigentlich froh sein. Man hätte sie z.B. per Volksentscheid genausogut dazu verpflichten können, Halbmond-Aufnäher zu tragen. Was es dann nochmal einfacher machen würde, zu erkennen, dass wir guten besser glauben als diese Fremdgläubigen.
Welch ein Glück, dass ich schon lange glaube, ungläubig zu sein. Damit erspare ich mir die Mühe, darüber nachzudenken, wer von meinen Mitmenschen nun böse sein könnte, weil er seinen Glauben auf eine mir fremde Art ausdrückt.
Update: Aaron König hat es sich in seinem Blog ja sehr einfach gemacht und wertet die Entscheidung der Schweizer als Erfolg für Demokratie und Aufklärung. Fefe hat das passend kommentiert und darauf verwiesen, dass es wegen genau diesem System aber auch erst seit 1970 (vereinzelt sogar erst ab 1990!) das Frauenwahlrecht in der Schweiz gibt. Er betont dabei besonders die Macht von Demagogie und Furcht auf derartige basisdemokratische Entscheidungen.
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1 Comments

From Nanni, 03.12.2009, 08:56
Der Hintergrund solcherlei überlegungen, wie sie unsere schweitzer Nachbarn (nicht ?) angestellt haben, ist für sich völlig schlüssig und bei näherem hinsehen ganz und gar notwendig.

So könnten etwa wirtschaftliche Motive die Reisebranche unter Zugzwang gesetzt haben: eine Branche, die angesichts der landschaftlicxh - geographischen Situation (wo sonst trällerte Heidi vergnügter?) ohnedies niemals leichtes Spiel hatte. Der Dämon Wirtschaftskrise - in einer sparfreudigen Schweiz - tat noch das seine dazu, die Branche völlig zu fragmentieren.
Man entschied, aulles auf "Schweiztourismus" zu setzten, mit der Konsequenz, psychologisch gestaltete Preise anzusetzen. "auf ins Nachbarkanton, bei DEN Preisen fürs Reisen muss das schon etwas ganz exotisches sein"...

Die Tatsache, dass Herr Schweitzer - nennen wir ihn hier "Urs", bereits beim morgendlichen öffnen des Fensters das Minarett erblickt, könnte ihm ein Urlaubsfeeling bescheren, mit der Konsequenz, dass er keine Reise mehr buchen wird. Wozu verreisen, wenn ich eh schon im Antaliyaurlaub bin?

Berechnungen von Eurostat zufolge hätte dies Einbußen des schweizerischen bip i h v bis zu 8% ergeben - unverantwortlich in Zeiten eines "vorsichtigen Optimismus".

Eine durchwegs "national besinnte" Partei hat unterdessen vorgeschlagen, entsprechende "Beteinrichtungen" dieser "Radikalmoslems" von außen unmissverständlich zu kennzeichnen, unter den vorschlägen waren neben Sprayzeichen auch Aussagen in Diskussion, etwa "Abendland in Christenhand" oder "Vorsicht, Musl".

Den wohl sinnvollsten Beitrag hierzu gab "Urs" selber ab: der MInarettartige Kirchturm solle zunächst aufgesprayt werden, anschließend noch mit dem "durchgestrichen" -Symbol versehen werden: könnte es keine Lösung sein, GLEICH diese türme bauen zu lassen, und mittels schrägem Betonbalken "durchzustreichen bis oben hin"?

Damit wäre dem bip geholfen, der Islam könnte sich dennoch "mit Feuer und Kirchturm" erheben (wobei das Feuer durch eine Nationalpartei gespendet würde). Eine klare Win - Win Situation für Urse und solche, die ebenfalls Urs heißen, aber diesen "Haidengott" anbeten.
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