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30.09.2009, 17:04 Falsche Signale: Videoüberwachung

Videoüberwachung scheint derzeit für viele Menschen das Allheilmittel zu sein. Während die Frage nach der technischen Umsetzung meist schnell erledigt ist, wird allzu gerne die ethische Frage völlig ausgeklammert.
Die Kameraüberwachung eines Bankschalters etwa ist etwas durchaus vernünftiges. Hier gibt es einen konkreten Zweck, ein klar definiertes Einsatzgebiet, der Zugriff auf die Aufnahmen ist streng reguliert, und in vielen Fällen haben solche Bildaufzeichnungen schon bei der Überführung von Räubern geholfen.
Etwas anderes dagegen ist der Einsatz der Videoüberwachung von Privatleuten. Aufgrund des subjektiven Sicherheitsempfindens wird diese Maßnahme heute vielerorts nicht einfach gefordert, sondern stillschweigend umgesetzt.
Die Wirksamkeit ist mehr als fraglich. Kameras zur Unkenntlichkeit getarnt, auf Beschilderung verzichtet. Die ethische Frage weicht dem Verdacht dass es etwas bewirken könnte. Doch was bewirkt es häufig tatsächlich?

Bedenkliche Ethik

Das Motto: Da ist eine Kamera, also bin ich sicher. Ein großer Vertrauensvorschuss, finde ich. Meistens hat man keinerlei Wissen darüber, ob die Überwachung live stattfindet, wer Zugriff auf das Material hat, etc.
Das größte Problem ist aber die Unterwanderung demokratischer Prinzipien wie Eigenverantwortung. Heute ist es durchgehend üblich, dass Restaurantbetreiber ihre Räume mit Kameras überwachen. Der Gast soll ein subjektives Sicherheitsgefühl erhalten, der Eigentümer sieht sich vor Vandalismus und dem Diebstahl von Salzstreuern geschützt.
Ein großes Problem, dass ich in solchen Fällen sehe, ist der erzieherische Effekt. Man bekommt anerzogen, sich unter Überwachung ordentlich zu benehmen. Der Effekt zeigt sich schon, wenn man die Körpersprache einer Person beobachtet, die vermutet oder weiß, dass sie gerade mittels Kameras beobachtet wird.
Die Menschen werden stillschweigend dazu erzogen, deshalb nett zu anderen zu sein, weil man es ihnen dank moderner Technik jederzeit nachweisen könnte, wenn sie es nicht waren.
Wollen wir eine Bevölkerung, die es gewöhnt ist, sich nur aufgrund von unvermeidbarem Druck von aussen richtig zu verhalten? Der man die Notwendigkeit zur Selbstreflektion dank modernster Technik völlig abnimmt?
Wie weit wird der Überwachungswahn gehen? Kann eine freie Demokratie mit einem derartigen Maß an Fremdkontrolle überhaupt noch funktionieren? Warum ist es notwendig, auf Verdacht das Prinzip der Eigenverantwortung quasi abzuschaffen?
Omnipräsente Videoüberwachung: Der moderne Weg zur Schaffung unmündiger Bürger? ... In unserer finsteren Vergangenheit hieß es schließlich: Gott überwacht dich jederzeit. Sei Brav, oder du kommst in die Hölle. Ist allgegenwärtige Videoüberwachung so anders als dieses feudale Prinzip der Kontrollausübung?
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3 Comments

From Cirdec, 01.10.2009, 00:51
Die zunehmende Videoüberwachung ist ein sehr neuartiges Problem.

Eine sehr spontane Idee von mir ist: Das Prinzip der Gewaltenteilung von Exekutive Judikative und Legislative zu erweitern um eine Art "Informative", die einen Missbrauch von Videoüberwachung, Datenbanken und auch Medien wie TV , langfristig gedacht verhindert und Polizei und Judikative unterstuetzen kann.
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From Cymaphore, 01.10.2009, 09:07
Stimmt, das ist eigentlich ein sehr guter Punkt... Zwar betrachtet man die Medien ja bisher schon als die "vierte Gewalt", aber das ist schwach ausgeprägt und die Medien in Deutschland werden dieser rolle nicht annähernd gerecht (wie z.B. in den USA, wo die "vierte Gewalt" trotz FOX relativ intakt ist) ...

Aber du hast völlig recht, die "Gewalt" der Überwachung als solche von der Exekutive zu trennen ist ein exzellenter möglicher Ansatz denke ich... Man müsste sich halt um die Details Gedanken machen...
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From Oxx0r, 11.10.2009, 22:03
Da in Kameras schauen sozusagen teil meines Jobs ist ... oft Stundenlang hab ich schon sachen gesehn ... mann mann mann ;)
Ich kann nur sagen das "unsere" Kameras wirklich nicht versteckt sind (riesen gross, teilw. beläuchtet und teilw. auf nen Zaun montiert) und somit die Leute sie theoretisch sehn können, verhalten sie sich nicht anders ... manchmal glaub ich sogar die "stelln" sich absichtlich vor kameras, damit sie ja gesehn werden *gg*
Und das obwohl die so montiert sind das man vielleicht grad mal so 10 - 20% der strasse sieht ...
Das was die leute am häufigsten machen .... Pissen ... egal ob Mann oder Frau ... alle hitern Mülleimer, was noch ... klar doch , ne nummer im auto ... schon blöd wenn man sowas am Firmenparkplatz macht .... vor der Schwenk/Zoombaren Kamera *g*
Ansonsten is so ziehmlich alles von (vermutlichen) Drogenhanden bis zur Schlägerei dabei.

Ich finde es schon scheisse das man so gut wie überall beobachtet wird, vorallem wenn man nichtmal weiss wer oder ob jemand davor sitzt ... bzw. ob es aufgezeichnet wird ...
Das problem hab ich sogar in der Firma ... ich weiss zwar wo jede Kamera ist ... aber ob alles aufgezeichnet wird weiss ich wiederum nicht und schon garnicht wer nicht aller noch zusieht ... und das gibt einen ein ungutes gefühl wenn man mal übers Gelände wandert.

Wenn es nach mir ginge wären nur dort Kameras wo sie wirklich wichtig sind ... wirklich wichtig !
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