Cymaphore

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18.08.2009, 19:56 Wie man mit Kritik umgeht

Für mich ist es ein Indikator der Reife, wie eine Person bzw. Gruppe mit Kritik umgeht.
Alice Schwarzer ist mal wieder beleidigt. Da hat es die NRW-Grüne Daniela Schneckenburger doch tatsächlich gewagt Schwarzer's Rolle als unangefochtene Speerspitze des deutschen Feminismus in Frage zu stellen.
Auf die geäußerte Kritik folgt promt eine giftige Antwort - ganz ohne dabei auf die Kritik einzugehen.
Die Vorwürfe an Schwarzer sind dabei bei näherer Betrachtung nicht ganz von der Hand zu weisen. Ähnliches habe auch ich selbst nicht erst in der jüngeren Vergangenheit des öfteren kritisiert. Angesichts der beinahe offenen Unterstützung für die CDU und ihre Positionen, als auch der beinahe kampagnenartigen wiederholten Kritik von Schwarzer und EMMA an grünen Parteien und Persönlichkeiten sollte EMMA auf die Kritik von Schneckenburger eigentlich nicht einfach nur mit Kopfschütteln reagieren.
Der EMMA-Artikel bedient sich dabei wieder einmal der üblichen Mittel und bringt nichts neues hervor. Auf die Kritik der grünen Politikerin wird dabei erst garnicht eingegangen, sondern gebetsmühlenartig mit exakt der unsachlichen Propaganda reagiert, die überhaupt erst der Grund der Äußerungen war.
Eigentlich ist es traurig. Mit derart unqualifiziertem Umgang mit Kritik an der Person Schwarzer und den Standpunkten von EMMA versinken diese noch mehr in der Bedeutungslosigkeit, und die respektablen Aspekte ihrer Arbeit geraten völlig in den Schatten des Geltungsbedürfnisses einer selbsternannten Ikone.
Nach wie vor kritisiere ich daher, dass Schwarzer die Zeichen der Zeit verkennt, und sich stattdessen lieber auf gewohnten propagandistischen Bahnen bewegt. Ja es gibt viel Arbeitsbedarf, aber EMMA's unsachliche Konzentration auf bestimmte Themen ist ebenso bezeichnend, wie ihre Leugnung der jungen Generation von Feministinnen wie etwa Charlotte Roche, gegen die ja eine regelrechte Kampf-Kampagne geführt wurde, nachdem sie gewagt hatte Kritik an Schwarzer zu üben.
In unserer Gesellschaft hat sich in den letzten 30 Jahren für Frauen enorm viel verändert. Weder bemerkt man bei EMMA irgendeine bedeutende Anerkennung für diese Veränderungen, noch rückt Schwarzer von veralteten Standpunkten ab - nein, diese werden sogar verbissen noch mehr ins Zentrum gerückt. Somit wirkt EMMA vor allem auf Junge Menschen doch deutlich weltfremd, nicht umsonst äußerte Roche etwa gegenüber dem Spiegel:
Junge Feministinnen müssen Alice Schwarzer für viel dankbar sein, zum Beispiel dafür, dass Frauen ihre Männer nicht mehr fragen müssen, ob sie arbeiten gehen dürfen. Bei vielen ihrer neuen Kampagnen, wie bei der Verteufelung von Pornos, können wir aber nicht mehr mitgehen. Frau Schwarzer möchte Sadomaso-Sex verbieten. Frauen sind aber total masochistisch, das wird auch sie nicht mehr ändern können. Ich habe keine Lust, Frau Schwarzer um Erlaubnis zu fragen, bevor ich im Bett richtig loslege.– Charlotte Roche
Es ist geradezu bezeichned, dass Schwarzer's EMMA heute die zweifelhaften Aktionen der CDU, allen voran deren Familienministerin, beinahe unhinterfragt unterstützt, während die CDU in ihren Grundfesten die "Frauen zurück an den Herd"-Politik noch beiweitem nicht überwunden hat. Schade, dass EMMA damit das Ansehen der feministischen Bewegung weiter schädigt.
Spätestens seit ihrer oportunistischen Unterstützung für die BILD-Zeitung hat sie bei mir aber ohnehin jenes Ansehen verloren dass sie immer so deutlich für ihre Arbeit einfordert, sie ist nur mehr schwer ernst zu nehmen. Auch ihre jüngeste bizarre Leistung zum Thema Anbiederung an die BILD (EMMA-Print-Artikel "Laison") hat diesen Eindruck wieder verstärkt.
Feministische Problemstellungen der heutigen Zeit finde ich nicht zuletzt deshalb in der Missy deutlich besser - und bedeutend objektiver - wiedergegeben.
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3 Comments

From Cymaphore, 19.08.2009, 12:33
Wer noch irgendwelche Bedenken hat, auszug aus dem EMMA-Forum, der bezeichnend für die ganze Stimmung dort ist:

C.P. / 18. August 2009 - 20:37:
"Tja, was wählt frau denn nu ? Ich denke, ich als uralt Linke werde meine Stimme jetzt zum ersten Mal der CDU geben, trotz aller Bedenken in Sachen Abtreibungspolitik und Umweltschutz. Mir gefällt einfach die fortschrifftliche feministische Politik von Van der Leyen, und Merkel ist auch gar nicht so übel. Hat sie längst bewiesen. Sie macht den Job ganz gut, und meinetwegen darf sie jetzt auch mit Amerika flirten, denn der neue Präsident hat eine Feministin zur Frau (und ist doch sowieso ganz passabel, oder ? ).

[...]"

Ich warte nur noch auf die offizielle Wahlempfehlung von Schwarzer an von der Leyen und ihre Merkel-CDU :-)
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From Cymaphore, 03.09.2009, 09:34
http://www.emma.de/interview_merkel_2009_5.html

Das ist zwar noch nicht die von mir prophezeite direkte Wahlempfehlung, kommt aber bereits nah dran... Warten wir mal ab, als nächstes ist dann sicher v.d. Leyen dran, mal sehen wie Schwarzer ihr den Hof macht und wann wir mit der hochoffiziellen Wahlempfehlung rechnen können :-)
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From Sina, 03.09.2009, 14:04
Sehr treffender Artikel..auch wenn Roche ihren eigenen Standpunkt etwas zu wenig hinterfragt und unzulässige Verallgemeinerungen über Frauen trifft, ist sie mir wesentlich sympathischer.
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